Eisenhüttenstadt – die erste Planstadt der DDR

Eine Zeitreise in die DDR in der ehemaligen Stalinstadt: Warum sich ein Besuch in Eisenhüttenstadt im Seenland Oder-Spree lohnt. (Werbung)

Ausflug nach Eisenhüttenstadt

Eisenhüttenstadt, erste Planstadt der DDR, Stalinstadt, Seenland Oder-Spree, Stadtführung, Kunst, Museum, Sehenswürdigkeiten, Foto Anita Arneitz
Die Lindenallee in Eisenhüttenstadt mit dem Stahlwerk am Kopf der Straße

Der erste Eindruck von Eisenhüttenstadt ist ernüchternd. Vergeblich hält man Ausschau nach einem Zentrum oder historischen Kern. Stattdessen stranden Besucher in der Lindenallee vor dem Friedrich-Wolf-Theater und dem Büro der Touristeninformation.

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Friedrich Wolf Theater

So ging es auch Tom Hanks, der vor einigen Jahren die Stadt besuchte, weil er sich für die Architektur interessierte. Danach war er so begeistert davon, dass er im Fernsehen über die Stadt berichtete. Und noch heute ist der Hollywoodstar in Eisenhüttenstadt präsent – in leidenschaftlichen Erzählungen der Einheimischen über den Besuch und in gerahmten Bildern an der Wand.

Doch ohne Führung erschließt sich einem weder die Geschichte noch die Schönheit der Stadt. Deshalb geht’s mit dem Stadt- und Verkehrsplaner Dr. Howes von der Stadtverwaltungen auf zu einem zweistündigen Spaziergang.

Stadtführung durch Eisenhüttenstadt, vormals Stalinstadt

Schon beim gemeinsamen Studieren des Stadtplanes wird vieles klarer. Eisenhüttenstadt ist am Reißbrett in den 1950er Jahren als erste neue Stadt in der DDR geplant und gegründet worden. Damals als eine Mischung aus sowjetischen Vorbildern und Gesellschaftsvorstellungen der Zeit. Sie galt als Vorzeigestadt, wo es durch das Stahlwerk Arbeitsplätze und günstige Wohnungen gab.

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Wohnkomplex mit Tunnel

Die erste sozialistische Stadt erhielt 1953 den Namen Stalinstadt, den sie bis 1961 trug. Danach wurden die beiden kleineren Siedlungen Fürstenberg, die es bereits mehrere Hunderte Jahre an der Oder gab, und Schönfließ mit Stalinstadt zusammengelegt und in Eisenhüttenstadt umbenannt. Die Wohnkomplexe 1 bis 4 stehen unter Denkmalschutz – und damit ein großer Teil der Stadt.

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Renovierter Wohnkomplex 1

Typisch für Eisenhüttenstadt sind große breite Straßen, an deren Kopf immer eine wichtige funktionale Einrichtung wie das Stahlwerk oder eine Schule liegt. Dazu kommen riesige zentrale Plätze. Jeder Wohnkomplex ist für sich autark – mit eigenem Kaufhaus und Kindergarten. Arbeiter und Akademiker lebten Tür an Tür. Es gab keine Standesunterschiede beim Wohnen und auch keine Gettobildung.

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Wohnkomplex in Eisenhüttenstadt

Architektur als Abbild der Geschichte

An der Architektur und Gestaltung der Wohnkomplexe lässt sich der Zerfall der DDR nachvollziehen. Bei den ersten Wohnanlagen hatte die Stadt noch Geld – es gab Springbrunnen, Verzierungen und Kunstwerke. Dann wurden die Wohnblöcke immer einfacher.

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Ehemaliger Kaufladen

Einmal die Straße überquert, schon hat sich der Stil komplett geändert. Das macht die Stadtführung so spannend. Oder die Tunnel durch die Wohnhäuser, die wunderbare Abkürzungen sind und von einem Freiraum zum nächsten führen. Die Murals an den Fassaden stellen Szenen aus dem sozialistischen Alltag dar. Auch diese Kunstwerke wurden renoviert. Es gibt sogar einen eigenen Guide für die Murals.

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Sozialistische Wandbilder

Das Stahlwerk gibt es noch heute. Das wurde übrigens von Österreichern gebaut. Allerdings sind bei Weitem nicht mehr so viele Menschen beschäftigt wie einst. Die einstige Aufbaustadt hat heute mit mit Abwanderung und Überalterung zu kämpfen. Innerhalb von drei Jahrzehnten verlor die Stadt rund 50 Prozent ihrer Einwohner. Jetzt sind es an die 25.000 Bewohner.

Viele Platten standen leer. Deshalb konzentriert sich jetzt die Stadtverwaltung auf das Zentrum und versucht es zu beleben. Die Wohnkomplexe sind renoviert worden, das Leben in der Stadt durch das viele Grün ruhig und attraktiv. Einige Platten am Stadtrand und im Inneren der Wohnkomplexe, eigentlich in Summe um die 6.000 Wohnungen, wurden abgerissen.

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Platz des Gedenkens

Inzwischen kommen immer mehr Menschen in die Stadt, um die DDR-Geschichte zu erleben. Je größer der Abstand wird, desto mehr steigt das Interesse. Und inzwischen hat sich Eisenhüttenstadt als Filmkulisse einen Namen gemacht. Jüngst war die Premiere von „Und der Zukunft zugewandt“. Der Film wurde in Eisenhüttenstadt gedreht.

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Oderbrücke an der polnischen Grenze

Alltag aus der DDR

Noch tiefer in den Alltag der Menschen in der DDR kann man im Dok-Zentrum eintauchen. Das Dokumentationszentrum der Alltagskultur der DDR ist ein zeitgeschichtliches Museum. Eine ständige Ausstellung zeigt rund 650 verschiedene Alltagsgegenstände – angefangen von Fotos bis hin zu Einrichtungsgegenständen oder Spielzeugen. Hört sich im ersten Moment langweilig an, ist aber mega spannend.

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Dok-Zentrum in Eisenhüttenstadt

Eine Sonderausstellung beschäftigt sich momentan mit dem Bauhauserbe in der DDR. Im Museumsshop kann man Kultgegenstände aus der DDR (nachproduziert!) kaufen.

Früher war im Gebäude eine Kindertagesstätte untergebracht. Der Treppenaufgang hat noch einen zweiten Handläufe für die Kleinen und das Fensterbild zeigt Motive von damals.

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Bauhaus-Erbe der DDR

Kunst aus der DDR

Nach 1990 gab es für viele Einrichtungen keine Nachfolgerinstitutionen mehr. Die Kunstwerke aus den Büros, Ferienheimen und anderen Räumen von Parteien oder staatlichen Einrichtungen kamen in ein Zentraldepot nach Berlin.

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Kunstarchiv Beeskow

Erst einige Jahre später kamen sie an ihre Fundorte zurück. So landeten auch rund 23.000 Werke der bildenden Kunst in Beeskow, wo sie in einem alten Handelsspeicher untergebracht wurden. Jetzt haben sie einen neuen angemessenen Ort bekommen – ein eigenes Kunstarchiv gleich hinter der Burg.

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Kunstarchiv Beeskow

Die Werke stammen zum einen von bekannten Künstlern, zum anderen von Laien. Vielfach sind es Auftragsarbeiten, darunter Klassiker der ostdeutschen Kunstgeschichte wie die Bilder von Günther Brendel.

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Kunstarchiv Beeskow

Die Motive der Gemälde zeigen Zeitgeschichte wie den Bau des Alexanderplatzes in Wien. Aber auch unter den rund 8.000 Drucken und Grafiken sind spannende Werke dabei. „Zum einen ist unser Bestand kunsthistorisch interessant, zum anderen werden Kulturgeschichte, Kunstpolitik und die Transformation erzählt“, erklärt Sabine Kotzian vom Kunstarchiv Beeskow.

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Kunsthistorikerin Sabine Kotzian

Ab Oktober öffnet das Kunstarchiv Beeskow seine Türen für Besucher. Einmal in der Woche gibt es eine öffentliche Führung, Gruppen sollten sich eine Woche vor dem Besuch anmelden. Auf Wunsch werden die Führungen auch zu speziellen Themen angeboten.

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Kunstarchiv Beeskow

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5 besondere Tipps für das Seenland Oder-Spree

Die Recherche wurde unterstützt vom Seenland Oder-Spree und entstand während der 1. Blogger-WG. In den Social Media Kanälen findet ihr mehr Impressionen darüber unter #seenlandoderspree #entdeckertour #seenliebe #seenland #MomentDerBegegnung. Alle Fotos und Videos: Anita Arneitz

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