Übernachten auf der Avantgarde-Alm

Kunstsammlung mit Schlaffunktion: Die „art lodge“, das Kunsthotel von Katrin und Dirk Liesenfeld in den Nockbergen, verbindet traditionelle Architektur, modernes Design und internationale Kunst.

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Der 300 Jahre alte Rohrerhof in Verditz ist ein altes typisches Gehöft mit traditioneller Holzbauweise und Walmdach, bestehend aus einem Haupthaus und Nebengebäuden. Die beiden Ex-Werber Katrin Liesenfeld-Jordan und Dirk Liesenfeld hauchten dem Anwesen 2008 neues Leben ein und verwandelten es in ein einzigartiges Kunst-Boutique-Hotel mit zwölf Zimmer. Doch eine totale Kernsanierung gab es nicht. Verwendbare Elemente wurden erhalten, revitalisiert und mit neuen Elementen kombiniert. Außen sieht noch immer alles aus wie damals. Nur innen herrschen nun leuchtende Farben, großformatige Fotoarbeiten, Ölbilder und Plastiken in den Räumen.

 

Kunstsammlung als Basis

Das Hotel beherbergt damit nicht nur Gäste, sondern auch eine kleine Privatsammlung junger zeitgenössischer Kunst. Im Foyer schwebt die Skulptur „golden flight“ des Trockel-Schülers und Adolf-Loos-Preisträgers Michail Pirgelis, ihr gegenüber hockt einer der gebückten Männer von Claudia Rogge, deren Retrospektive bereits im Museum of Modern Art in Moskau ausgestellt wurde. „Irgendwann fingen wir an Kunst zu sammeln, aber bald schon waren die Wohnung und auch die Agentur voll damit“, verraten die Liesenfelds. Im Keller lagern wollten sie ihre Schätze nicht und so kam die Idee eines großen alten Hauses auf dem Land ins Spiel. „Wir wollten unsere Schätze schon immer ausstellen – aber nicht wie in einem Museum, sondern ungezwungen wie zu Hause.“ Viel Platz für Gäste, ein Künstlerapartment mit Atelier, Galerie und ein Restaurant mit einer etwas anderen Karte wurden geplant. 2007 kauften die Liesenfelds dann den Rohrerhof mit der alten Scheune und starteten den Umbau, der genau 364 Tage in Anspruch nahm. Das Haupthaus wurde behutsam renoviert und modernisiert, die alte Scheune wurde zu einer behaglichen Gästeunterkunft ausgebaut. Alle Zimmer sind in Design, Materialauswahl und Möblierung unterschiedlich.

 

Alt und neu in Harmonie

Das Bauvorhaben hielt die ganze Gemeinde in Atem, vor allem die Mitwirkenden: „Die Handwerker hielten uns manchmal für verrückt“, erinnert sich Katrin Liesenfeld-Jordan. Die Räume haben ihre harmonischen, althergebrachten Proportionen zurückbekommen. „Die Entstehung, der Planungsprozess und die Umsetzung haben trotz der vielen Arbeit, riesig Spaß gemacht“, sagt Katrin Liesenfeld-Jordan. „Plötzlich passe alles zusammen, was wir hier zusammenbringen wollten: traditionelle Architektur und modernes Design, intakte Natur und gutes Essen, unsere Kunst und unsere Gäste. Unsere Gäste fühlen sich hier eher wie in einem überdimensionierten Ferienhaus als wie in einem Hotel und freuen sich, mit echter Kunst im Zimmer aufzuwachen“, ergänzt Dirk Liesenfeld. Es gibt einen Bio-Pool, Sonnenterrasse sowie Sauna und Tiefenwärmekabine im umgebauten Tischlerschuppen. Umgeben ist das Kunsthotel von einer 16.000 Hektar großen Wiese mit Obstbäumen und Skulpturen. Geheizt wird mit Pellets und Solarenergie, der Pool wird organisch geklärt und der Strom kommt zu 100 Prozent aus österreichischer Wasserkraft.

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Treffpunkt Alm

Außer den klassischen Gästen kommen auch die Künstler selbst gerne nach Verditz. Bereits in ihrer Düsseldorfer Zeit hatten die Liesenfelds intensive Kontakte zur Kunstszene und ihre Kunstsammlung wächst weiter. „Und wird mittlerweile durch Arbeiten internationaler und österreichischer Künstler ergänzt“, sagen die Liesenfelds. Ihr Kunsthotel ist zum einen ein gemeinsamer wahr gewordener Traum, aber gleichzeitig auch ein soziokulturelles Experiment: „Wir wollten heraus finden, wie Kunst im Urlaub auf Menschen wirkt und was dabei passiert.“ Bei Kunstaktionen können Gäste und Besucher hautnah mit Kunst und den Künstlern in Kontakt kommen, egal ob beim „High-art cooking“ oder beim Dinner mit Musik.

 

Foto: artlodge/Liesenfeld

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