Winter im Bonsai-Garten in Seeboden

Mystischer Bonsai-Garten: Wenn Nebel über dem Millstätter See aufsteigt und der Schnee sein weißes Kleid auf die Berggipfel legt, herrscht im japanischen Garten von Günther Klösch Harmonie und Stille. Mitten in den Alpen hat er ein europaweit einzigartiges Paradies aus „Bäumen in der Schale“ geschaffen.

Bonsai-Garten, Bonsai-Museum Seeboden, Millstätter See, Foto Anita Arneitz & Matthias Eichinger, www.anitaaufreisen.atWillkommen im Bonsai-Garten am Millstätter See

80 Jahre hat er auf dem Buckel und verbeugt sich trotzdem vor jedem Gast: Der Mädchenkiefer-Baum von Günther Klösch ist nach japanischer Tradition geformt wie eine Verbeugung. Wer unter seinem einladenden Ast hindurchgeht, ist im Bonsai-Garten willkommen. Wie jedes Element im Garten erfüllt der Begrüßungsbaum einen bestimmten Zweck. In der japanischen Gartenkunst wird nichts dem Zufall überlassen. Alles hat einen Grund – und eine Seele. „Jeder Stein und jeder Baum spricht zu uns, zum Beispiel durch seine Form“, erklärt Günther Klösch.

Bonsai-Garten, Bonsai-Museum Seeboden, Millstätter See, Foto Anita Arneitz & Matthias Eichinger, www.anitaaufreisen.at

Bonsai-Garten als Werdungsprozess

Seit 37 Jahren beschäftigt er sich mit Bonsai-Bäumen und legt auf einer Fläche von 15.000 Quadratmetern verschiedene Gärten nach japanischem Vorbild an. Er hegt und pflegt rund 4000 Bonsai-Bäume. Der Älteste ist 200 Jahre alt. Deshalb bezeichnet der 55jährige seinen Garten lieber als Museum oder nie endenden Werdungsprozess. Gleich dem Leben. Dieses spiegelt sich im Kara-San-Suy, in seinem Landschaftsgarten, wider. Der weiße Kiesweg symbolisiert das Leben und führt zu unterschiedlichen Stationen. Am Anfang steht die Quelle als Metapher für die Geburt. Das Wasser fließt zwischen Kiefern einfach, leicht und unbeschwert dahin, wie es in der Kindheit sein sollte. Dann kommen erste Hindernisse: Bachbiegungen und Steinstufen. In der Mitte des Lebens stehen Besucher auf einer ebenen Steinplatte. Das ist ein Ort zum Innehalten, zum gedanklichen Zurückblicken und gleichzeitigen Vorausschauen. Je weiter der Bach fließt, desto unruhiger wird es – bis dieser letztendlich in einem kleinen See endet und Ruhe findet. „Der Garten dient zum Verweilen und entspricht ganz der Bonsai-Philosophie.“

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Gedankenimpulse im Bonsai-Garten

Das Verstehen dieser Philosophie ist das große Geheimnis von gesunden Bonsai-Bäumen. Und entgegen der allgemeinen Meinung ist die Pflege weder aufwendig noch kompliziert. Denn Bonsai ist keine spezielle Baumsorte, sondern einfach nur ein japanisches Wort, das „Baum in der Schale“ bedeutet. Es beschreibt einen Zustand. Demnach kann jeder heimische Baum – zum Beispiel eine Fichte – zum Bonsai werden. „Auch die Größe hat nichts mit der Schale, Erde oder dem Alter zu tun, sondern mit dem Schneiden“, klärt Klösch auf. Die Gestaltung ist reine Geschmackssache. Es gibt keine Regeln. Kein richtig oder falsch. Manchmal verwendet er einen Draht, um dem Baum eine Form zu geben. Nach einiger Zeit entfernt er den Draht wieder. Der Baum hat sich an seine Umgebung angepasst, wie in der Natur. Auch mit einem Stein an einer Schnur gestaltet er Bäume. Durch das Gewicht wird ein Ast sachte zu Boden gezogen. So kann ein „Hinweisbaum“ geformt werden, der mit seinem Ast auf eine bestimmte Stelle zeigt. Im japanischen Garten deutet der Hinweisbaum direkt auf das Teehaus. Bevor aber mit solchen Tricks gearbeitet wird, braucht es ein wenig Grundwissen.

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Wissen aus dem Bonsai-Garten

Bei Führungen oder Kursen gibt der Bonsai-Experte sein Wissen weiter und macht Neulingen Mut: „Wenn der Baum genügend Wasser und Dünger bekommt, wächst er.“ Entscheidend sei nur die Bereitschaft auf den Baum aufzupassen und mit ihm alt zu werden. Dazu reiche es aus, einmal am Tag hinzugehen, um zu sehen, was der Baum braucht: Gießen, schneiden, düngen – oder nichts. Je mehr Aufwand, desto mehr Erfolg? „Stimmt nicht. Das westliche Leistungsdenken spielt bei Bonsai keine Rolle.“ Doch so manch einer kann mit der Reduktion aufs Wesentliche nur schwer umgehen. Das zeigt sich schon beim klassischen Zen-Garten. Dieser besteht aus Stein und Kies. Keine Ablenkung stört. Bloß die Sonne zwängt ein paar Strahlen durch die Fichtenäste und setzt markante Lichteffekte. „In Europa wird der Garten mit Arbeit und körperlicher Ertüchtigung gleich gesetzt. Der Zen-Garten hingegen ist ausschließlich zum Nachdenken da.“

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Entscheidungshilfe aus dem Garten

Die Teichlandschaft ist das Herzstück seines Gartens und komplett der Lebensentscheidung gewidmet. Wer auf der hölzernen Brücke steht, muss sich entscheiden: Entweder schweift der Blick zum oberen Teich, in dem eine dünne Eisschicht einige herbstliche Blätter eingefangen hat, und unter denen Koi-Fische schwimmen. Oder die Augen folgen dem Wasser, das sanft über große Felsbrocken, bewachsen mit Moos, in den zweiten Teich plätschert. Beides auf einmal geht nicht. Entweder ja oder nein. Wer sich nicht entscheidet, wird von Steinen blockiert. Der Weg beginnt, bergab zu führen. „Wenn man nicht lernt, Entscheidungen zu treffen, wird man es nicht leicht haben.“ Das gilt sogar für den Garten. Deshalb hat sich Klösch bewusst für Bonsai entschieden und Stück für Stück eine Sammlung aufgebaut.

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Wie man einen Bonsai-Garten pflegt

Bei der Gartenarbeit wird er unterstützt von seiner Frau und seinem Sohn. Allerdings übernimmt er den Großteil der Arbeit selbst. Meistens am Abend, wenn keine Gartenbesucher auf den verschlungenen Wegen wandeln und die Vögel aus voller Kehle dahin zwitschern. Dann sei für ihn der Garten am Schönsten, wenn alles ruhig ist. Er sitzt auf der Holzbank, blinzelt in die Nachmittagssonne und überlegt: Bald möchte er den Garten erweitern, am Papier sei er schon fertig. Aber alles brauche seine Zeit, wie die Arbeit mit den Bäumen. Im Winter entwickelt und verändert er den Garten. Schüttelt die Reif-Tropfen von den Lärchennadeln, begutachtet die Knospen der Azalee und schnippelt an der Stechpalme im Glashaus. Die Schere hat er immer bei sich. Zu den Bäumen hat er eine enge Bindung: „Wenn man 20 Jahre mit einem Bonsai lebt, dann entsteht eine Geschichte.“

Bonsai-Garten, Bonsai-Museum Seeboden, Millstätter See, Foto Anita Arneitz & Matthias Eichinger, www.anitaaufreisen.at

Bonsai-Garten für Generationen

Heute will er sein Wissen weitergeben und hofft, jemanden zu finden, der sich später, wenn es ihn nicht mehr gibt, um die Bäume kümmert. „Dann hat alles einen Sinn.“ In Japan sei es eine große Ehre einen Bonsai zu pflegen und so zu einem Teil seiner Geschichte zu werden. Wer seine Aufgabe besonders gut macht, wird zum Vorbild oder sogar zu einer Berühmtheit – und steigert dadurch den Wert des Baumes. Dank seiner Geschichte kann ein 350jähriger Bonsai eine Million Euro kosten. Für den Bonsai-Experten ist der materielle Wert nebensächlich. Viel wichtiger sei eine nachhaltige Denkweise: „Wir Menschen sind nur die Diener der Natur, nie ihre Besitzer.“

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Bonsai-Pflege leicht gemacht – die besten Tipps

Drei Dinge müssen für einen schönen Bonsai-Baum getan werden:

  • Gießen: Zu viel Wasser ist genauso schlecht wie zu wenig. Japaner gehen davon aus, dass es rund zehn Jahre dauert, bis man das richtige Gießen erlernt. Wie oft gegossen werden muss, hängt vom Standort und der Erde ab.
  • Schneiden: Auch hier zählt Intuition – gestaltet, also geschnitten, wird dann, wenn die Triebe zu lang werden. Was nicht gefällt, kommt einfach weg.
  • Düngen: in der warmen Jahreszeit mit eigenem Bonsaidünger.

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Überwintern von Bonsai-Bäumen – so gelingt es

  • Frostverträgliche Sorten wie Mädchenkiefer, Fächerahorn, Hainbuche, Apfelbaum, Lärche oder Rotbuche bleiben das ganze Jahr im Freien.
  • Azalee, Stechpalme, Maulbeerbaum und Kamelie bleiben das ganze Jahr im Freien, müssen aber im Winter vor strengem Frost geschützt werden.
  • Gummibaum, Liguster, Olive, Fuchsien oder Granatapfel sind nur im Sommer im Freien und im Winter frostgeschützt in einem kühlen Raum.
  • Sogenannte Zimmerbonsai vertragen keinen Frost, können aber im Sommer ins Freie gestellt werden. Im Winter ist ein kühler Ort ideal – zu warme Zimmertemperaturen vertragen sie nicht!

Bonsai-Garten, Bonsai-Museum Seeboden, Millstätter See, Foto Anita Arneitz & Matthias Eichinger, www.anitaaufreisen.at

Adresse & Öffnungszeiten Bonsai-Garten in Seeboden

Bonsai-Museum, Günther Klösch, geöffnet von April bis Oktober, Führungen und Kurse auf Anfrage, Liedweg, 9871 Seeboden, Tel. + 43 4762/81 9 47, www.bonsaimuseum.at

Bonsai-Garten, Bonsai-Museum Seeboden, Millstätter See, Foto Anita Arneitz & Matthias Eichinger, www.anitaaufreisen.at

 

Fotos: Anita Arneitz & Matthias Eichinger.

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