Eislaufparadies Weissensee

Spätestens Mitte Dezember friert der Weissensee auf 930 Meter Seehöhe zu und wird mit 6,4 Quadratkilometern zur größten präparierten Natureisfläche Europas. Rund um diesen eisigen Spielplatz der Natur tummelt sich ein buntes Volk an Winterurlaubern: internationale Eisschnellläufer, Genussfahrer, Langläufer, Rodler, Winterwanderer und Romantiker mit Pferdeschlitten.

Der „Hauch des Todes“ brachte Leben auf das Eis des Weissensees. Aber der Reihe nach. Denn eigentlich begann alles viel früher – 1968 mit der ersten Doppelsesselbahn Kärntens, errichtet beim Weissensee. „Das war für uns der Startschuss für den Wintertourismus. Seinerzeit fuhr ich die Gäste mit einem selbst gebauten Pferdeschlitten durch die Gegend“, erinnert sich Eismeister Norbert Jank. „Damals konnte ich mit meinem Pferdeschlitten nicht immer auf der Straße fahren. Ich hatte zwar Räder montiert, aber irgendwann wich ich auf das Eis aus und pflügte meine eigenen Wege am See“, erzählt Jank. Seine Eiswege wurden immer beliebter, Gäste und Einheimische nutzen sie gerne für ihren Nachmittagspaziergang. Jank: „Ich setzte mich intensiv mit dem Eis und den Wetterkapriolen wie viel Schnee oder Wasser auseinander, um mich mit den Pferden sicher am Eis bewegen zu können.“ Er kennt das Eis wie kein anderer und ist heute für sein Wissen weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannt. Gemeinsam mit seinem Team sorgt er seit 1989 jeden Winter für perfekte und vor allem sichere Eisverhältnisse. „So richtig los ging es 1987 mit dem James-Bond-Filmdreh“, sagt Jank. Am Weissensee wurde jene Film-Szene gedreht, die die Flucht von James Bond aus der Tschechei über den Staudamm nach Österreich zeigt. Schauspieler Timothy Dalton sollte als „007“ gefahrlos mit seinem Aston Martin am Eis landen können – und damit das gelang wurde Jank als Eisexperte engagiert. „Ich wusste, wo das Eis halten wird und welche Sicherheitsvorkehrungen wir leisten mussten“, berichtet er über die aufregende Zeit.

Die übers Eis laufenden Holländer

Durch den Film wurde die Natureisfläche des Weissensees richtig berühmt. Ein Jahr später kamen die Holländer. Jank: „Sie suchten aufgrund von Klimaveränderungen für die ‚Holländische 11-Städte-Tour’ einen alternativen Austragungsort mit einem ständig gut zufrierenden See. Nach Versuchen in anderen Ländern entdeckten sie den Weissensee.“ Das war vor 23 Jahren. Seit dem treffen sich die besten Eisschnellläufer jedes Jahr in Kärnten, um den Sieger über 200 Kilometer zu küren. Der Rekord liegt bei fünf Stunden und elf Minuten. Auch die Niederländischen Meisterschaften im Eisschnelllauf werden hier ausgetragen und zwischendurch stehen Eisschnelllauf-Kriterien auf dem Programm. Wer wie die Profis übers Natureis flitzen möchte, lernt das am besten in der Natureislaufschuhe Weissensee.

Herr über Schnee und Eis

Mitte Dezember fängt für Jank die Eiszeit an. Fast 90 Tage verbringt er auf dem Eis, erst Mitte März ist Schluss. „Mir macht es großen Spaß, wenn ich mit dem Eis den vielen begeisterten Eisläufern eine Freude machen kann“, sagt Jank. Auf seine Arbeit konzentriert er sich zu 100 Prozent. Wenn es irgendwo schlechte Stellen gibt, werden diese mit Absperrbändern oder Fichtenzweigen gekennzeichnet. „Die Schwachstelle ist die Brücke“, verrät Jank und ergänzt: „Damit man gefahrlos unter der Brücke von dem Ost- auf den Westteil fahren kann, haben wir ein zwölf Mal zwölf Meter großes Gerüst unter dem Eis eingebaut, das von der Brücke hoch gehalten wird.“

Das Geheimnis des Eismeisters

In seiner Zeit als Eismeister hat Jank schon viel erlebt. Schmunzelnd erzählt er: „Ich habe bereits zwei Autos versenkt, sie wurden selbstverständlich wieder geborgen. Ein Quad von uns ist auch einmal abgesoffen, aber man lernt mit jedem Mal dazu.“ Die Natur sei eben unberechenbar, dagegen sei man machtlos. Aber bis jetzt ist immer alles gut ausgegangen. Damit das Natureis hält und für den Publikumslauf freigegeben wird, muss es mindestens 13 bis 14 Zentimeter dick sein. Je nach Witterung ist Jank ab fünf Uhr früh unterwegs, kontrolliert, kehrt, hobelt und reinigt das Eis – wenn nötig, auch noch einmal am Tag und Abend. Besonders stolz ist Jank auf seine Arbeitsgeräte. Sie gibt es in keinem Katalog zu kaufen und sind zum Teil selbst gebaut. „Unser Kehrbesen ist mit sechs Metern Breite der Größte der Welt und unser Pflug hat eine Breite von 3,60 Meter. Doch die Geräte alleine sind nicht alles. Man muss auch wissen, wie man sie richtig einsetzt“, sagt Jank. Dieses geheime Wissen gibt er bereits an die nächste Generation weiter – sein jüngerer Sohn Bernhard wird einmal in seine Fußstapfen treten. Seit dem Vorjahr hilft er fix mit, um die Gefahren des Eises und die Tricks von seinem Vater selbst zu erleben.

Stolz auf die Natur

Unverbaute Landschaften, kein Auto weit und breit, ein See mit fjordähnlichen Einschlüssen, rund herum weiße Gipfel – zwei Drittel des Weissensees sind Landschaftsschutzgebiet, nur ein Drittel ist besiedelt. Das weiß Jank zu schätzen – selbst im Sommer. Denn dann beschäftigt sich der Eismeister gerne mit seinen acht Enkeln und genießt Eis – am liebsten mit heißen Himbeeren und Schlag.

 

Links und Infos:

Homepage des Eismeisters: www.natureislauf.at

Alternative 11-Städte-Tour: www.naturarena.com

1 Comment

  1. Liebe Anita,

    Von den eislaufenden Holländern, die es jedes Jahr an den Weissensee lockt, haben wir schon gehört. Gesehen haben wir den See bisher allerdings nur im Sommer. Aber so eine Winterreise an diesen See ist bestimmt auch ein tolles Erlebnis. Wir sind jetzt erst einmal zu unserer zweiten Reise an den Weissensee unterwegs. Mal sehen, was wir dieses Mal entdecken.

    Herzlichen Dank für Deinen tollen Einblick ins winterliche Kärnten.

    Liebe Grüße,
    Monika

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