Wildes Leben zwischen Weinreben

Winzer gehen wieder zurück zur Natur: Aber damit es mit dem Bio-Weinbau klappt, müssen sie viel Fingerspitzengefühl beweisen, hart arbeiten und manchmal auch skeptische Blicke aushalten wie Weinbauer Rainer Hack.Bioweingut Warga-Hack, www.anitaaufreisen.at

Zwischen den Weinreben strecken die Gräser hüfthoch ihre Spitzen gegen den Himmel. Es kreucht und fleucht unter den Trauben. Und irgendwie fällt der auf den ersten Blick recht ungepflegt wirkende Weingarten so gar nicht ins Landschaftsbild. Die wahre Schönheit entpuppt sich erst am zweiten Blick. Bienen holen sich süßen Nektar aus den Blüten der Butterblumen. Schmetterlinge in bunten Farben flattern zwischen den Rebstocken umher. Das war nicht immer so. Vor über 13 Jahren war Rainer Hack noch ein Weinbauer wie jeder andere im Ort. Aber die Geburt seines ersten Sohnes änderte alles. Plötzlich begann die Familie bewusster zu leben, bewusster einzukaufen. Und irgendwann passt der herkömmliche Weinbau einfach nicht mehr zu den Werten der jungen Familie. Sie wollten auch bei der Arbeit im Einklang mit der Natur leben und begannen die ersten Weingärten biologisch zu bewirtschaften. Das bedeutet zwar weniger Ertrag, im Gegenzug dazu steigt die Qualität.

Bioweingut Warga-Hack, Sulmtal-Sausal, Steiermark, www.anitaaufreisen.at

Ohne Chemie zum Wein

Beim biologischen Weinbau ist der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden strikt verboten, um Boden und Wasser zuschonen. Für den Winzer bedeutet das eine Menge an Mehrarbeit. Der Humusaufbau im Boden wird gefördert und versucht Leben in den Weingarten zu bringen. Weil zum Beispiel zwischen den Reben nicht alles niedergemäht wird, entsteht neuer Lebensraum für Insekten und andere Tiere. Ein gesundes Gleichgewicht wird wieder hergestellt. Manche Unwissende ärgern sich über die wilde Optik der Weingärten, doch diese ist wichtig für die Ökologie. Weil keine Spritzmittel eingesetzt werden, müssen sich die Winzer besonders intensiv mit ihren Reben auseinandersetzen und die Pflanzen auf dem natürlichen Wege stärken und schützen. Das gelingt nicht immer auf Anhieb. „Aber man wächst schnell hinein“, verrät Bio-Weinbauer Hack. Die Umstellung ist ihm relativ schnell gelungen, seit 2007 bewirtschaftet er den ganzen Weingarten biologisch. 2009 gab es die Bio-Zertifizierung. „Es ist sehr schön, mit der Natur zu arbeiten. Jedes Jahr ist eine neue Herausforderung, es bleibt immer spannend“, sagt Hack. Einmal hatte er mit Hagel zu kämpfen, einmal mit Pilz. „Solche Probleme spornen an, noch besser zu werden. Als Bio-Weinbauer lernt man jedes Jahr dazu. Du musst irrsinnig genau arbeiten.“

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Bio-Wein noch selten

Zu Beginn waren auch seine Eltern skeptisch – sie hatten Angst vor Totalausfällen. Schon die Urgroßeltern hatten 1919 eine Landwirtschaft. Hacks Großvater und Vater bauten die Weinschiene aus. Die Frauen kümmerten sich um den Buschenschank und die Gästezimmer. Noch heute kann beim Winzer am Gut übernachtet werden. Für Hack war schon immer klar, dass er einmal den elterlichen Betrieb übernehmen wird. Der Bio-Gedanke hat sich im Lauf der Zeit entwickelt. In Zukunft möchte einen Schritt weiter gehen und biologisch-dynamisch arbeiten. „Bio ist super, aber Demeter ist das Reinere“, sagt er. Dabei sind noch weniger Sachen wie bei Bio erlaubt. Das betrifft vor allem die Kellerrichtlinien. „Ich möchte die steirische Linie beibehalten und das verkaufen, was mir auch selbst schmeckt und was ehrlich produziert ist.“

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In den klassischen Weinbaugebieten wie der Steiermark sind Bio-Winzer nach wie vor Exoten. Erst um die zehn Prozent aller Weinbauern haben auf Bio umgestellt. Nur langsam werden es immer mehr. Hack bewirtschaftet 8,5 Hektar und möchte auf zehn Hektar erweitern. Die Ernte beträgt 200.000 bis 350.000 Kilo pro Jahr. „Für einen normalen Winzer ist das sehr wenig, aber im biologischen Weinbau ist nicht mehr möglich“, erklärt Hack. Außerdem gehe es ihm nicht mehr um die Menge, sondern um die Qualität. Im Keller setzt er auf die Spontangärung und verzichtet auf die Hefe, weil sie den Geschmack verfälsche. Zum Wein kommen keine künstlichen Mittel hinzu, außer Schwefel als Oxidationsschutz.

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Neue Ideen vom Weinbauer Hack

Neu im Sortiment ist beim Bio-Winzer ein Wermutwein. „Das Getränk mit wildem Wermut ist in Vergessenheit geraten. Dabei war es früher so ein wichtiges Heilkraut“, erzählt Hack. Daraus hat er für den Sommer ein leichtes Trendgetränk kreiert: den steirischen Wermutspritzer. Und auch sonst gehen ihm die Ideen nicht aus. Seinen Riesling baut er als Orange-Wein weiter aus. Den Geschmack mag nicht jeder. Der Wein kommt ganz ohne Schönungsmittel aus. Er ist pur und unverfälscht. Lange hat Hack bei Weinbewertungen nicht mitgemacht, dann hat er sich 2013 und 2014 mit den anderen Weinen aus der Region messen lassen – und kam unter die besten sechs. „Jetzt bin ich schon stolz darauf, dass ich als einer der auf alles verzichtet, den Vergleich mit den anderen nicht scheuen braucht.“

Mehr Informationen:

Bio-Weingut Warga-Hack, Familie Rainer Hack, Gauitsch 20, 8442 Kitzeck im Sausal; Österreich, Tel.: 0043 3456 2282-0, Email: zimmer@warga-hack.at, www.warga-hack.at

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Fotos: Alle Anita Arneitz. Die Reise wurde unterstützt vom TVB Sulmtal-Sausal.

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