Reiturlaub in der Toskana – eine Woche unterwegs auf einem Muli

Stundenlang im Sattel durch ein Stück unbekanntes Italien: Gastautorin Karin Schafler machte Reiturlaub in der Toskana und verrät wo es am Schönsten war.

Reiturlaub in der Toskana, Wanderritt Italien, Fotos Karin Schafler, Tipps auf Reiseblog www.anitaaufreisen.at
Gastautorin Karin Schafler beim Reiturlaub in der Toskana

Eine Woche hoch zu Muli – Reiturlaub in der Toskana

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Bald ist es soweit. Erich und Ulrike, Mitreiter des letzten Wanderritts, holen mich in Arezzo ab. Gemeinsam geht’s hinaus aufs Land, die steinige Straße hoch zum Casa Bivignano. Irgendwie fühlt sich’s wieder an wie eine Reise ins nirgendwo – und genau das macht den Reiz dieses Platzes aus. Weg vom Alltag, eintauchen in die Tiefen der Toskana. Abschalten heißt hier das Programm – und damit ist nicht nur das Handy gemeint. Die Luft, die Weite der Toskana einatmen, die Ruhe spüren …

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Bivignano – Paradies für Reiter

Irgendetwas Magisches hat dieser Ort. Und es sind die Tiere – nicht nur die Pferde – auch die Katzen, die freundliche Hündin Lucy: alle strahlen diese Ruhe und Zufriedenheit aus. Dieses Gefühl überträgt sich im Nu. Das Schweizer Ehepaar Patricia und Stefan Wanner-Odermatt haben sich hier im Jahr 2008 niedergelassen und mit ihrem Agriturismo umgeben von 20 Hektar Land und 20 wiehernden Freunden ihren Lebenstraum erfüllt. Und sie teilen ihn an vielen Tagen im Jahr mit ihren Gästen, viele davon schon Stammgäste, denn „Bivignano“-Feeling macht süchtig, deshalb bin ich auch wieder da.

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„Einfach Pferd sein“ in der Toskana

Ein traumhaftes Herbstwetter als Begrüßungsgeschenk, das darf ich als leidenschaftliche Fotografin für erste Bilder nicht ungenutzt lassen: die herrliche Aussicht, die friedliche Katze vor der steinernen Hausmauer – und natürlich die Pferde, die sich so harmonisch ins Gesamtensemble einfügen, als hätte der Platz hier niemals eine andere Bestimmung gehabt, als Pferden ein schönes Leben zu ermöglichen. In Freiheit, in der Natur, umgeben von Menschen, die ihnen „einfach Pferd sein“ ermöglichen.

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Eine Woche unterwegs mit einem Muli

Am Abend treffe ich alle wieder – die Reitfreunde vom letzten Mal. Nachdem uns Stefan ein wunderbares Essen zubereitet hat, fallen wir todmüde ins Bett. Morgen geht’s los – das Abenteuer „eine Woche Toskana hoch zu Ross“ bzw. „hoch zu Muli“ in meinem Fall. Denn wie mir Patricia schon verraten hat, darf ich wieder Mey reiten, die kleine „Exotin“ in der Criollo-Herde – eine mehr als gelungene Mischung aus Esel und Quarterhorse, biologisch gesehen würde man „Hybride“ dazu sagen.

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Wanderreiten in Italien – auf Tuchfühlung mit Tier und Landschaft

Der 1. Tag löst bei mir immer Aufregung und Bauchkribbeln aus. Denn wann bekommt man als Gelegenheitsreiter schon die Chance, ein Pferd für eine ganze Woche ganz für sich zu haben. Das liebe ich an Wanderritten, von Tag zu Tag lernt man sein Pferd besser kennen – vor allem auch sich selbst. Und wenn man ein Maultier reitet, trifft das ganz Besonders zu.

Wird meine Mey mich noch erkennen? Wird sie gleich mit mir mitkommen, wenn ich sie von der Koppel hole? Oder zeigt sie sich gleich von ihrer sturen (aber liebevollen) Eselseite?

Nein, keine Frage. Freiwillig und irgendwie auch erwartungsvoll trottet sie hinter mir her. Meine Wiedersehensfreude ist riesig. Nun heißt es Pferde striegeln, Hufe auskratzen und Zaumzeug einfetten. Alles wird bereit gemacht für den großen Wanderritt bei unserem Reiturlaub in der Toskana.

Der Wanderritt: Es geht los mit dem Reiturlaub in der Toskana

Bergauf und bergab geht es, mal auf steinigen, mal auf sandigen Wegen, durch herrliche Mischwälder mit unzähligen Kastanienbäumen, auf denen die Kastanien in ihren hellgrün-leuchtenden stacheligen Hüllen wie Trauben von den Ästen hängen. Meine Muli-Dame Mey stellt mich natürlich sofort auf die Probe: Grüne saftige Wiesen werden ohne Vorwarnung angesteuert, ein „Ich will doch lieber wieder umdrehen“-Versuch, kräftiges Kopfschütteln beim Bergabgehen – das volle „Esel-Programm“. Doch ich lasse mich nicht entmutigen. Ich arbeite mit ihr und vor allem an mir: um ihr zu zeigen, wer hier das Sagen hat, aber auch – und ich habe das Gefühl, das ist bei Mulis fast noch wichtiger – um ihr zu zeigen: ich passe auf dich auf, ich bin da, vertraue mir. So nehme ich sie beim Bergabgehen etwas kürzer am Zügel und beginne, mit ihr in ruhigem Ton zu reden. Einfach erstaunlich, wie sie mit ihren langen Ohren jeden Satz aufmerksam aufzunehmen scheint und siehe da – Mey wird immer ruhiger, aufmerksamer. Es dauert nicht lang, und ich habe mich schon wieder in meine Maultier-Lady verliebt.

Schlemmertipp für Reiter in Anghari

Nach ca. sieben Stunden im Sattel erreichen wir unser erstes Ziel – ein wunderschönes Bed & Breakfast mit Osteria „Locanda del Viandante“ in Anghari. Nachdem wir die Pferde versorgt haben, genießen wir ein köstliches toskanisches 3-Gang-Menü, natürlich dürfen dabei Pasta, Fleisch und Vino rosso nicht fehlen.

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Reiten auf den Spuren von Franz von Assisi

Am 2. Tag folgen wir wieder auf steinigen Wegen den Spuren von Franz von Assisi, der auf seinen Pilgerreisen auch diesen Teil der Toskana durchschritten hat. Wir kommen vorbei am Kloster Santuario Francescano auf über 1.000 m Seehöhe, dem ältesten Franziskanerkloster überhaupt.

Nach 36 Kilometer erreichen wir „La Collina delle Stelle“, ein typisches toskanisches Landhaus, in Traumlage auf einem 3 Hektar großen Grundstück – richtig luxuriös haben wir’s hier – die Pferde und die Reiter. Hier befinden wir uns übrigens im sogenannten „grünsten Teil der Toskana“, in der Region Casentino (Gebirgstal der Provinz Arezzo), wo unendlich scheinende Wälder (übrigens der größte Nationalpark Italiens), romanische Kirchen, alte Klöster und mittelalterliche Dörfer die Landschaft prägen. Ein eher unbekanntes Tal in der Toskana, das gerade deshalb als Geheimtipp gilt.

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Reiturlaub in der Toskana – angekommen im grünsten Landstrich

Ich genieße die Stunden im Sattel – wie jedes Mal erstaunt es mich, wie leicht es gelingt, beim Reiten abzuschalten, es fühlt sich an wie eine „Entschlackungskur fürs Gehirn“. Auch wenn man zu Hause einen vollen Schreibtisch verlassen hat, auf dem Pferd ist man mit den Gedanken nur bei sich, seinem Pferd und der schönen Natur rundherum. Einfach im Hier und Jetzt.

Ein perfekter Ort zum „Runterkommen“ ist auch unsere nächste Unterkunft: Casina della Burraia, ein ganz außergewöhnliches Agriturismo, ein altes, uriges Steinhaus, wo man in den Schlafzimmern Kerzenschein statt elektrisches Licht vorfindet und von der Hausherrin nach alten toskanischen Rezepten kulinarisch verwöhnt wird: erntefrische Tomaten treffen auf eine cremige Burrata , das Fleisch in der knusprigen Brotrinde schmeckt nach ehrlichen Zutaten und dann erst die selbstgemachte Canduccini in Vino Santo … so schmeckt Toskana pur … einfach ein Gedicht. So muss Reiturlaub in der Toskana sein.

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Wind in der Mähne – belohnt mit Weitblick: Monte Castello

Vierter Tag: bei stürmischem Tramontana Wind reiten wir los, wieder mal geht’s steil bergauf auf den Monte Castello, wo wir am Gipfel mit einem wunderschönen Panorama belohnt werden. Der Wind legt sich bald und warme Sonnenstrahlen begleiten uns auf unserem Ritt durch Pinienwälder, Mischwälder und – weiter unten im Tal – vorbei an den Toskana-typischen Zypressen, die die schönen Steinhäuser und Alleen säumen.

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Zwischenstopp im Dörfchen Ponte alla Piera

Zum zweiten Mal auf unserer Route kommen wir durch das kleine Dörfchen Ponte alla Piera wo wir mit unserer „Kavallerie“ bestehend aus 7 Pferden und einem Muli die kleine mittelalterliche Steinbrücke überqueren. Noch ein Stück tiefer im Tal erblicken wir die ersten Tabakfelder, wo gerade fleißig geerntet wird. In einem schönen langen Galopp lassen wir diese an uns vorüberziehen. Weiter geht es durch ein Flussbett, wo sich die Pferde wohlverdient ihre Beine kühlen können.

Endlich trinkt auch Mey vom frischen Flusswasser, denn die schmutzigen Pfützen, an denen wir bisher vorbei kamen, hatte sie immer verschmäht. Sie scheint sauberes, fließendes Wasser zu bevorzugen – typisch Muli, einfach sehr intelligent. Pferde-Mama Patricia erzählt immer wieder davon, dass Maultiere in vielerlei Hinsicht intelligenter sind als Pferde. Das beweist auch die Tatsache, dass sich Mey ihre Kräfte exakt einteilt und dadurch bis zum letzten Tag keinerlei Müdigkeitserscheinungen hat. Aber das sind sie alle – die tollen Pferde von Patricia und Stefan, die meisten übrigens Criollos: topfit, trittsicher, zuverlässig und sehr entspannt.

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Übernachten beim Lago di Montedoglio

Den letzten Abend unseres Wanderritts verbringen wir in einem kleinen Agriturismo „Calcinaia sul Lago“ mit herrlichem Blick auf den Stausee Lago di Montedoglio. Auch die Pferde genießen eine schöne Weide als Nachtlager und erwarten uns am nächsten Morgen erwartungsvoll zum Aufbruch Richtung Heimatstall.

Die letzten von insgesamt 150 Kilometer liegen vor uns. Noch ein paar schöne Gallopaden und im Schritt das letzte Stück auf dem „Kastanienweg“, bis wir wiehernd mit einem „Willkommen zurück“ von den daheim gebliebenen Pferden begrüßt werden. Und ich flüstere Mey in ihre langen Eselsohren:

Schade, dass es schon vorüber ist, ich freue mich schon wieder aufs nächste Mal.

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Infos zum Reiturlaub in der Toskana:

Diese Reitwoche wurde gebucht bei: www.bivignano.com. Bereits schon einmal war Gastautorin mit dem Muli in Italien unterwegs. Was sie dabei erlebt hat, berichtet sie in dem Artikel Reiturlaub in Italien: Auf einem liebenswerten Dickschädel von Rimini nach Bivignano.

Text & Fotos: Karin Schafler, Graz/Österreich, k.schafler@gmail.com, Tel. +43 676 3270803

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