Mein Partner mit der Trüffelschnauze

Unterwegs im größten Trüffelgebiet Europas: In Istrien wird bei der Suche nach tollen Knollen gebellt statt gegrunzt.

 

Stundenlang irren sie durch den feuchten Eichwald. Die Äste knirschen, das Unterholz knackt. Ein motivierendes „Such“ ertönt. Nach ein paar Schritten wedelt der Schwanz. Die Pfoten scharren. Die Nase gräbt sich in den lehmigen Boden. Der Trüffelsucher grinst. Es hat sich gelohnt. Heute zumindest. Sein Hund hat eine der begehrten weißen istrischen Trüffel mit lateinischen Namen „Tuber magnatum Pico“ gefunden. Sie sind selten und wachsen nur in Norditalien und Istrien.

 

Wertvolles Paradies

Was die wenigsten wissen: Die kroatische Halbinsel Istrien zählt zu den wichtigsten und größten Trüffelgebieten Europas. Istrische Trüffel haben die gleiche Qualität wie ihre weltberühmten Doppelgänger aus Alba. Das wurde von höchster offizieller Stelle, dem „Centro Nazionale Studi Tartufo“, bestätigt. Der einzige Unterschied ist der Preis. In Istrien können Gäste noch ein paar günstige Knollen direkt von den Trüffelsuchern bekommen. Billig sind sie trotzdem nicht. Ein Kilo der weißen Herbstrüffel kostet bis zu 5000 Euro. Schwarze Sommertrüffel gibt es um rund 100 Euro pro Kilo. Wer Trüffel kauft, sollte auf folgende Qualitätskriterien achten: Geruch, Geschmack, Optik und Festigkeit. Gängige Fälschungen kommen aus Syrien und sind bekannt als „bianchetti“. Das sind eigene Erdknollen namens „albidum marzuolo“, die mit den echten weißen Trüffel aus Istrien nicht zu vergleichen sind.

 

Vierbeinige Partner

In Istrien haben rund 1500 Bauern die Lizenz zum Trüffelsuchen. Jährlich sammeln sie sechs bis sieben Tonnen Trüffel – von Buzet und Lupoglav im Nordosten, den Fluss Rasa entlang bis nach Pazin im Süden. Die meisten Trüffel spüren sie in den Eichenwäldern des Mirnatales auf. Dort wachsen Trüffel gut versteckt unter der Erde. Trüffelsucher brauchen im wahrsten Sinne des Wortes eine ausgezeichnete Spürnase, um sie zu finden. In Istrien setzen Trüffelsucher auf Hunde statt auf Schweine. Hunde sind einfacher zu trainieren und fressen ihre Beute nicht gleich nach dem Ausgraben. Ausgebildet werden die Mischlingshunde von den Trüffelsuchern selbst. Zu kaufen gibt es die Trüffelhunde nicht. Schließlich sind die vierbeinigen Partner mit der Schnüffelschnauze viel mehr als Mittel zum Zweck. Die Trüffelsucher verbringen mit ihren Hunden viel Zeit und bauen eine enge Bindung zu ihnen auf.

 

König der Trüffelsucher

Einer der Lieblingshunde von Giancarlo Zigante ist Diana. Zigante gilt als der König aller Trüffelsucher. Er hat mit seinen Hunden 1999 bei Livande den weltweit größten Trüffel gefunden. Der 1,31 Kilo schwere Trüffel schaffte es ins Guiness-Buch der Rekorde. Und das pushte Bekanntheit der istrischen Trüffel. Zigante baute den größten Trüffelhandel des Landes auf und verkauft in seinen Geschäften verschiedenste Trüffelprodukte. Auch in seinem Restaurant spielen Trüffel die Hauptrolle.

 

Qualität und Klasse statt Masse

Die istrischen Gastronomen setzen auf traditionelle Küche. Mit Wettbewerben oder Trüffelwochen locken sie immer mehr Feinschmecker ins Land. Sie bekommen die weißen Trüffel nach istrischer Art serviert: Frisch gehobelt als Gewürzpilz über Omelette, Nudeln oder Fleisch. Hübsch ist ein Trüffel nicht, aber soll aphrodisierend wirken. Wie auch immer, Naschkatzen greifen garantiert zum getrüffelten Schokoladenkuchen. Den gibt es im Restaurant Marino. Marino und weitere Restaurants gehören zur Vereinigung „Tartufo vero“. Die Betriebe wollen damit ehrlichen Trüffelgenuss garantieren. Auf ihre Teller kommen nur Trüffel höchster Qualität – als kreative Neuschöpfungen oder bewährte Hausmannskost. Wer danach etwas Gutes für seinen Magen tun will, der bekommt den althergebrachten Kräuterschnaps „Humska Biska“ serviert. Ein Wundermittel gegen alles, bestehend aus Misteln und vier geheimen Kräutern.

 

Trüffeliger Herbsturlaub

Hochsaison haben weiße Trüffel in Istrien im September, Oktober und November. Die ideale Zeit für einen sonnigen Kurzurlaub im grünen Hinterland. Urlauber können gemeinsam mit Trüffelsuchern, Hunden und Wirten durchs Mirna-Tal streifen und Trüffel für das Abendessen suchen. Der Erholungswert ist hoch. Die Landschaft gleicht mit alten Steinterrassen, Weingärten und Olivenhainen der Toskana. Nur ist es in Istrien noch ursprünglicher, weniger landwirtschaftlich kultiviert. Früher war das anders. In der österreichisch-ungarischen Monarchie galt die Gegend als Speisekammer und Weinkeller des Kaiserreiches. Von 1902 bis 1935 verband die Parenzana Schmalspur-Eisenbahn über dreißig Orte der Monarchie. „Damals wurden mit der Bahn Meeresfrüchte, Fische, Olivenöl, Wein und Trüffel zu den kaiserlichen und königlichen Höfen transportiert“, weiß Guido Schwengersbauer. Er hat in Buje ein romantisches Landhotel mit kleinem Parenzana-Museum geschaffen. Seine Gäste begleitet er gerne auf einer Tour ins Trüffelgebiet. Zu Fuß oder per Rad.

Anita Arneitz

Grüne Kulturjuwele

Die gesamte Parenzana-Bahnstrecke wurde zu einem Rad- und Wanderweg umgestaltet. Der Parenzana-Radweg führt direkt am Meer entlang und schlängelt sich durch die sanften Hügel des Hinterlandes. Vorbei an der alten Bergstadt Motovun, die zur Verteidigung des fruchtbaren Tales diente, hin zum Künstlerdorf Grožnjan. Während hier den Zweibeinern der Kaffeeduft in der Nase kitzelt, gönnen sich die Trüffelhunde eine Pause und schonen ihren Geruchssinn für die nächste Trüffeljagd.

Groznjan (15)

Istrien-Tipps

 

Trüffeltage in Istrien inklusive Adressen aller Trüffelrestaurants: www.istria-gourmet.com

 

Parenzana-Radweg: www.istria-bike.com

 

Kostenloses Istrien Magazin und allgemeine Istrien-Informationen: Tourismusverband der Region Istrien, Poreč,  info@istra.hr, www.istra.hr

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