Mensch und Maschine im Gleichtakt

Die Entstehung eines neuen Autos ist eine komplexe Sache: Zuerst entwirft ein Designer ein Modell, dann werden Details herausgearbeitet, es gibt einen virtuellen Rohbau – und nach zahlreichen Tests geht es an den Serienstart. Die eigentliche Fertigung findet in der Produktion statt. Das Audi-Werk in Ingolstadt (Deutschland) bietet eigene Führungen an, damit Besucher ganz aus der Nähe die Entstehung eines Autos beobachten können. In der Gruppe werden alle Stationen der Fertigung besucht: Presswerk, Karosseriebau, Lackierung, Endfertigung und die Prüfstände am Ende der Produktionslinie.

Audi Museum

Überdimensionale Waffeleisen

Zuerst überrascht die Produktionshalle mit ihrer Größe: Sie ist über einen Kilometer lang und logistisch perfekt angelegt. Auf einer eigenen Verbindungsstraße rollen Tag und Nacht Beförderungswägen mit vollgefüllten Anhängern, Mitarbeiter düsen mit Fahrrädern umher, und einige Besuchergruppen drängeln sich am schmalen Gehweg. Es ist hell, sauber und vor allem laut. Kein Wunder: gleich in der Nähe befindet sich das Presswerk. Ein Dach oder eine Tür – hier werden im Sekundentakt Bleche gepresst. Der Boden bebt, wenn die riesigen Maschinen einem überdimensionalen Waffeleisen gleich die Bleche in Form bringen. Nichts wird verschwendet, der Verschnitt wird zu 100 Prozent recycelt.

Im Reich der Roboter

Metallisch quietschend hallt es den Ohren. Als kleiner Mensch inmitten einer Halle voller Roboter kommt man sich vor wie in einem Science-Fiction-Film. So unwirklich wirkt die Szenerie im Karosseriebau. Hier ist man im Reich der Roboter: Der Automatisierungsgrad beträgt 98 Prozent. Insgesamt sind im Audi-Werk über 480 Roboter im Einsatz. Alt und Jung staunt, in welchem Tempo die Roboter die Karosserie zusammenbauen und wie jeder Arbeitsschritt im Fluss erfolgt. Immer wieder wird vermessen und geprüft, alles muss perfekt passen und alles ist exakt aufeinander abgestimmt.

Das nächste Modell ist ein Cabrio: wie von Zauberhand kommt das passende Dach. Dann eine kleine Limousine, auch hier sind sofort die richtigen Teile zur Stelle. Nachdem die Roboter ihre Arbeit getan haben, geht es ab in die Lackiererei. Jedes Auto bekommt die vom Kunden gewünschte Farbe. „Momentan im Trend liegen Weiß und Schwarz“, weiß Ernst Kapeller von Porsche Villach.

Ohne Menschen geht nichts

In der Endfertigung ist wieder die Geschicklichkeit der menschlichen Hände gefragt. In langen Produktionslinien montieren sie in Gruppen die letzten Einzelteile. 88 Sekunden hat jeder für seine Aufgabe Zeit. Die Arbeitsabläufe sind bis ins kleinste Detail durchdacht, immer wieder kommen von den „Audianern“ neue Ideen, um den Prozess zu verbessern und die Arbeit zu erleichtern.

Falls einmal ein Fehler passiert oder ein Mitarbeiter nicht rechtzeitig fertig wird, zieht er die Alarmleine: Sofort springt der Gruppenleiter ein und hilft aus. Nur in Notfällen stoppt die Produktionskette. Die Produktionsmitarbeiter arbeiten in drei Schichten, in einer Schicht werden an die 350 Autos endgefertigt. Dazu zählt auch „die Hochzeit“:  Das ist der Moment, in dem die Bodenplatte und die Karosserie miteinander verbunden werden. Mensch und Maschine scheinen bei dieser Aufgabe zu verschmelzen, im Gleichtakt zu arbeiten.

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