Zu Gast im Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal

Einblick in den Klosteralltag oder die positiven Seiten der Kultur der Unterbrechung im Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal – mit einer der schönsten Bibliotheken Österreichs.

Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal und seine Schätze

Benediktinerkloster Stift St. Paul im Lavanttal, Klösterreich, Kärnten, Foto Anita Arneitz, Reiseblog www.anitaaufreisen.at

Manchmal werden Gäste von den Mönchen zum Essen eingeladen. Dann kocht Pater Nikolaus richtig groß auf und seine Ordensbrüder servieren feine Schmankerln aus der Region. Der Ablauf ist wie in einem Theater genau inszeniert. Es wird nicht nur geschlemmt, sondern auch inne gehalten und gebetet. Wer einen tieferen Einblick in den Alltag des Klosters gewinnen möchte, kann sich als Gast in einem der wenigen Zimmer einquartieren, um individuelle Exerzitien abzuhalten.

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Fixe Termine, zum Beispiel das gemeinsame Gebet, strukturieren den Tag im Kloster und sorgen für eine Kultur der Unterbrechung. Pausen von der Arbeit entstehen und im Gespräch mit Gott findet der Geist wieder Ruhe. Die beste Prävention für ein Burn-out. Gemäß dem benediktinischen Leitsatz: Ora et Labora et Lege. Bete, arbeite, lese. Hier geht es zum Video über das Benediktinerstift St. Paul.

Benediktinerkloster Stift St. Paul im Lavanttal, Klösterreich, Kärnten, Foto Anita Arneitz, Reiseblog www.anitaaufreisen.at

Das Leben als Mönch

Die Ordensgemeinschaft in St. Paul ist außergewöhnlich jung. Viele sind jünger als 35 Jahre. „Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu“, meinen die Mönche dazu. Jede Ordensgemeinschaft habe ihre eigene Kultur. Um sechs Uhr morgen treffen sich alle zum Morgengebet, dann folgt die Heilige Messe und Frühstück. Vormittags arbeitet jeder in seinem Bereich – Schule, Museum, Küche, Schnapsbrennerei.

Um 12 Uhr ist Mittagsgebet, um 18 Uhr Abendgebet und um 20 Uhr ein gemeinsamer Tagesabschluss in der Kapelle. Obwohl alle Benediktiner nach Regeln leben, agieren sie zwischen den Gebetszeiten eigenständig.

„Ich bin ins Kloster eingetreten um Mönch zu sein“, verrät Frater Maximilian Tuschel.

Er ist einer von den 35 Ordensbrüdern und führt mit Begeisterung durch die Klosterbibliothek im Kellergewölbe sowie das Stiftsmuseum.

Benediktinerkloster Stift St. Paul im Lavanttal, Klösterreich, Kärnten, Foto Anita Arneitz, Reiseblog www.anitaaufreisen.at

Stiftsmuseum in St. Paul

Der Streifzug durch die Jahrhunderte ist kurzweilig. Aber mit der Fülle an Kunstschätzen rechnen die meisten Besucher nicht. Sei es das Gemälde der Heiligen Familie von Van Dyck, das Reisebesteck Maria Theresias oder das berühmte Adelheidkreuz aus dem 11. Jahrhundert. Zwei Späne im Holzkern sollen angeblich vom Kreuz Jesu stammen. Während andere Klöster in Österreich aufgrund solcher Kunstschätze überrannt werden, geht es im Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal recht beschaulich zu. Ohne Gedränge können Besucher durch die Ausstellungsräume wandeln und die einzigartigen Bücher in der Bibliothek bestaunen. Wer genau hinsieht, entdeckt sogar eine Geheimtür. Allerdings versteckt sich dahinter heute ein Technikraum.

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Sonderausstellung: Die schwarze Kunst des Johannes Gutenberg

Jedes Jahr von Mai bis Oktober gibt es im Museum vom Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal eine Sonderausstellung. 2018 steht die schwarze Kunst von Johannes Gutenberg im Fokus. Seine Erfindung hat die Welt verändert. Wie das damals von statten ging, zeigen seltene Frühdrucke und Ausstellungsstücke. Besonders beeindruckend ist die Geschichte über die St. Pauler Gutenbergbibel. Bis in die 1930er Jahre wurde die einzige dreibändige Pergamentausgabe der Gutenbergbibel in der Klosterbibliothek aufbewahrt. Heute ist diese in der Kongressbibliothek von Washington D.C. ausgestellt. Aber auch ohne diesem Prachtexemplar ist die Ausstellung sehenswert und spannt gekonnt den Bogen zur Gegenwart.

Öffnungszeiten Stiftsmuseum

1. Mai bis 31. Oktober Mittwoch-Samstag 10-16 Uhr, Sonntag+Feiertag 11-17 Uhr, Montag+Dienstag geschlossen, Führungen nach Voranmeldung direkt beim Benediktinerstift St. Paul.

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Spezialtipps für den Stiftsbesuch

Wer im Sommer nach St. Paul reist, sollte ein paar Stunden mehr einplanen und den St. Pauler Kultursommer besuchen. Seit fast 40 Jahren werden dabei im Stift hochkarätige Konzerte von Jazz bis Kammermusik. Passend dazu kann eine Weinverkostung gebucht werden. Denn zum Stift gehören auch einige Weingärten (zwölf Hektar) in der Nähe des slowenischen Marburgs. Von dort stammt der Prälatenwein, der Welschriesling, Sauvignon Blanc, Grauburgunder, Zweigelt, Traminer, Rheinriesling und der Klostersekt. Der Chardonnay wächst hingegen in Kärnten auf einer Riede(ein Hektar) in Wolfsberg. Übrigens, die Produkte aus dem Stift gibt es auch im Museumsshop zu kaufen!

Kaffee mit Blick auf Barockgarten und Hildegardium

Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde der Klostergarten nach alten Plänen revitalisiert. Die Ansichten aus dem Jahr 1623 zeigen den symmetrischen Garten mit vier Feldern und einem zentralen Brunnenhaus. Das Brunnenhaus existiert nicht mehr. Aber an seiner Stelle plätschert ein Springbrunnen aus dem 17. Jahrhundert.

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Symbolisch soll der Springbrunnen an das Wasser als Urelement des Seins und das pulsierende Leben erinnern. Stilles Lauschen und Meditation sollen Ruhe und Kraft schenken. Nur die Schuhsohlen knirschen auf dem Kies. Damit die Gedanken beim Gehen in Fließen kommen, ist der Barockgarten weitläufig angelegt, flankiert von zwei historischen Gartenschlösschen des italienischen Baumeisters Pietro Rudolphi. In dem einen war eine Naturapotheke untergebracht, in dem anderen das Café Belvedere.

Benediktinerkloster Stift St. Paul im Lavanttal, Klösterreich, Kärnten, Foto Anita Arneitz, Reiseblog www.anitaaufreisen.at

Das ganze Jahr über gibt es im Café hausgemachte Mehlspeisen und Kulturveranstaltungen. Besonders entspannt lässt es sich auf der Terrasse in der Sonne sitzen. Aber wo ist bloß der Kräutergarten? Schließlich galten die Benediktiner seit jeher bewandert in der Kräuterpflege und prägten mit ihrem Wissen die Pharmaziegeschichte.

„Den Eingang zum Kräutergarten muss man entdecken“, verrät Administrator Pater Maximilian.

Versteckt hinter dem Café liegt er. Zugegeben, er wirkt ein wenig wild. „Aber ich finde ihn schön. Er spiegelt die Natur wider und ist ein Kontrast zur strikten Abgrenzung im Barockgarten.“ Einen herrlichen Blick über den Garten haben Besucher von der Café-Terrasse.

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Tipps von den Ordensbrüder

Um den Kopf frei zu bekommen, empfiehlt sich ein Spaziergang hinauf zur Rabensteiner Burgruine. Wer weiter gehen möchte, dem sei der Benediktweg empfohlen. Der Pilgerweg wurde anläßlich der 200-Jahr-Feier der Wiederbesiedelung des Stiftes St. Paul im Lavanttal 2009 ins Leben gerufen und ist benannt nach dem Ordensgründer Benedikt von Nursia. Infos dazu gibt es auf www.benedikt-bewegt.at, www.pilgerwege.at oder www.pilgerninkaernten.at.Benediktinerkloster Stift St. Paul im Lavanttal, Klösterreich, Kärnten, Foto Anita Arneitz, Reiseblog www.anitaaufreisen.at

Noch mehr Kloster-Einblicke

Ebenfalls über das Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal, das zum Klösterreich gehört, berichteten Kreativreisende Elena, Travel-TV Claudius Rajchl und Monika & Peter von Traveworldonline. Außerdem besuchte ich schon das Kloster Wernberg und verrate was die Missionsschwestern so alles in ihrem Schloss machen.

Benediktinerkloster Stift St. Paul im Lavanttal, Klösterreich, Kärnten, Foto Anita Arneitz, Reiseblog www.anitaaufreisen.at

Fotos & Video: Anita Arneitz. Die Recherche wurde unterstützt von Klösterreich.

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