Jamaika und der karibische Rhythmus

Die Finger klopfen, die Füße wippen und das Kinn zuckt im Takt – wenn auf Jamaika Bob Marley aus dem Lautsprecher dröhnt, geht der Rhythmus der karibischen Insel sofort ins Blut über.

Strand Jamaika

I´ve been watching you a la la la long

Die karibische Insel Jamaika zählt wohl zu den Sehnsuchtszielen schlechthin und erfüllt so ziemlich jedes karibische Klischee: Feiner Sand, der wie Staubzucker durch die Hände rieselt; tropische Wälder mit pinken Blütenstaub am Boden und wilden Vogelgeschrei; der starke Geschmack von Rum, manchmal verpackt in bunten Cocktails; süßliche Rauchwölkchen, die durch die Luft schweben und stille Zeugen ausgelassener Partys sind; Einheimische mit ihrem Glauben an Rastafari und die Lebensfreude, die sie selbst dann nicht verlieren, wenn sie in einfachen Wellblechhütten neben der Straße leben.

Jamaika hat viele Seiten

Und wer die Vielfalt der Insel kennen lernen will, muss sich wie einst Christoph Kolumbus auf kleine Abenteuer einlassen, ein Auto mieten und auf eigene Faust das Eiland erkunden. In einer Woche lassen sich auf diese Art viele Highlights ganz entspannt erleben – die Partyhochburgen Montego-Bay und Negril, die erfrischenden Erlebnisse bei den zahlreichen Wasserfällen, am Black River und in den Blue Mountains, oder die Hauptstadt Kingston im Südosten.

Strand Jamaika

Party, ya man!

Los geht es in Montego Bay, das von den Jamaikanern auch MoBay genannt wird. „Wir lieben Abkürzungen“, erklärt Jimmy von der Strandbar mit einem Dauergrinsen. Mit „jam“ meint er das Faulenzen am Strand und „skank“ bedeutet tanzen zur Reggaemusik. Beides können Touristen in MoBay besonders gut. Das Erste am „Doctors Cave Beach“ und das Zweite am Hip-Strip, der Vergnügungsmeile. Amerikanische College-Studenten feiern hier richtig ab. Frauen in knappen Bikinis schwingen ihre Hüften zu Technobeats und rekeln sich an der Reling der riesigen Party-Boote, die im Halbstundentakt vor dem Strand kreuzen und so manchen bei seinem Mittagsschläfchen stören. Die Jungs grölen, trinken und rauchen. Nicht alles ist legal, doch dafür ist die Insel bekannt.

Vom hektisch, lauten MoBay ist es nur eine gute Fahrstunde bis Negril. Dem zweiten großen Ferienort. Entlang des elf kilometerlangen Strandes in Negril zeigen Einheimische ihre künstlerische Seite, wie die beiden Männer. Der Jüngere mit der hageren Figur trägt bei tropischen Temperaturen eine Wollhaube, und die Gitarre. Der Alte lässt sich trotz fehlender Zähne und grauem Bart noch lange nicht vom Singen abhalten. Die Wellen schlagen im Takt ans Ufer und ob man will oder nicht, die Musik reißt einem mit. Gute Laune macht sich breit. Das Geheimnis der Insel ist wieder zu spüren – der Reggae.

Strand Jamaika

Die ruhige Seite

Der Reggae hilft ein paar Gänge runter zu schalten. Und das ist auf der Insel ein Muss – auch im Straßenverkehr. Das Straßennetz ist zwar gut ausgebaut, aber nur ein Drittel davon ist asphaltiert. Die Hauptstraßen werden mit Radfahrern und Ziegen geteilt, der Rest mit riesigen Schlaglöchern und spielenden Kindern. Tempo 30 wird auf den unwegsamen Straßen schnell zur Standardgeschwindigkeit. Die Blechhütten am Straßenrand ziehen langsam vorbei.

Der Linksverkehr ist „no problem“, solange einfach darauf los gehupt wird. Durchgeschüttelt und durchgeschwitzt steigt so manch einer bei den YS Wasserfällen aus dem Auto und freut sich auf eine erfrischende Naturdusche. Bevor es aber zum kühlenden Nass geht, wird man von Straßenverkäufer belagert. Sobald man einen Fuß vor das Hotelresort setzt, ist auch schon das erste Kaufangebot zur Stelle. Die Palette reicht dabei vom klassisch gehauchten „Wanna smoke?“ bis hin zu „echten“ Holzskulpturen, die beim Anfassen auseinanderfallen. Irgendwer wird es schon kaufen, nur nicht die Nerven wegschmeißen. Ignorieren und weiter geht´s.

Von Kaffeeplantagen bis an die Küste

Über breite Stufen, Kaskaden genannt, bahnt sich das Wasser seinen Weg durch den Dschungel. Schnell werden die Kameras weggepackt und die Klettertour beginnt. Eine rutschige Angelegenheit sich über die Felsen zu hanteln. Die Mutigen schwingen sich sogar wie Tarzan mit der Liane übers Flussbett. Genauso aufregend, aber wesentlich ruhiger, ist eine Floßfahrt am Black River. Dabei geht es tief hinein in das Naturschutzgebiet, wo Vögel und Krokodile direkt vor die Kameralinse springen. Beseelt von der Ursprünglichkeit der Natur geht’s weiter in Richtung Osten, wo aus der Ferne die Blue Mountains schon zu erkennen sind. Sie machen ihrem Namen alle Ehre, schimmern blau und sind zum Teil eingehüllt in dichtem Nebel. Perfekte Voraussetzungen für den Anbau von Kaffee. Bereits seit 1728 wird in jamaikanischen Bergen eine der teuersten Kaffeesorten der Welt angebaut – der „Blue Mountain Coffee“. Nach einer kleinen Kostprobe zieht es wieder zurück an Küste.

Sonne, Palme, Jamaika, Foto Matthias Eichinger

Reggae im Herzen

Geleitet vom Reggae lohnt sich ein Abstecher in die quirlige Stadt Kingston. Hier entstand in Bob Marleys altem Haus ein kleines Museum. Bei der Führung verstehen wir langsam, warum Marley für die Jamaikaner mehr ist als eine Reggae-Legende. Der Guide erzählt nicht nur aus Marleys Leben, sondern erklärt auch die gesellschaftlichen, politischen und religiösen Hintergründe zu jener Zeit. Als Anhänger des Rastafari-Glaubens verpackte Marley viele spirituelle Botschaften in seinen Liedern und setzte sich stets gegen Rassismus und für den Frieden ein.

Marleys Musik gab den Menschen in den Armenvierteln Hoffnung, Mut und Lebensfreude. Selbst der Taxifahrer lässt uns das spüren – er präsentiert noch schnell während der Fahrt zum Flughafen seine neueste Studioaufnahme. Musik bedeutet den Jamaikanern alles. Auch wenn sie damit ihr Trinkgeld aufbessern, sie ist tief in ihrem Herzen verankert. Es scheint, als stecke in fast jedem jamaikanischen Taxifahrer ein kleiner Bob Marley, der vor sich hin singt: „… a la la la long.“

Strand Jamaika, Foto Anita Arneitz

 Tipps auf Jamaika:

Reggae-MarathonJeden ersten Samstag im Dezember wird der Strand in Negril um fünf Uhr morgens mit Fackeln erleuchtet. Dazu beschallen Lautsprecherwagen die gesamte Rennstrecke mit Musik.

Jamaika Jazz und Blues Festival: Weltstars der Musik treffen sich vom im Januar beim Jazz und Blues Festival.

Milles Fleurs: im Boutique Hotel Mockingbird Hill bei Port Antonio. Treffpunkt der Gourmets, toller Mix aus europäischer und karibischer Küche.

Scotchie´s: in Ocho Rios, Montego Bay und Kingston. Das beste „Jerk Meat“ auf der Insel.

Spanish Court HotelKingston. Designer-Stadthotel mit Spa und Dachterrasse.

Strawberry Hill: St. Andrews, Blue Mountains. Boutique Hotel mitten in den Bergen, schöner Blick auf Kingston.

Wasserfaelle, Jamaika, Foto Matthias Eichinger

Nützliches Wissen für die Reise nach Jamaika:

Jamaika ist mit 10.991 Quadratkilometern die drittgrößte Insel der Antillen. Das Jamaica Tourist Board hat eine deutschsprachige Repräsentanz in Düsseldorf und ist erreichbar über die Webseite www.visitjamaica.com

Anreise: Im Winter fliegt Condor zweimal die Woche nonstop ab Frankfurt nach Montego Bay.

Einreise: kein Visum für EU-Länder, Reisepass muss bei Ausreise noch sechs Monate gültig sein.

Beste Reisezeit: Mitte Dezember bis Mitte April

Nicht so schön, aber erlebt vor Ort: Wellblechhütten am Straßenrand, nervige Straßenverkäufer, ständiges Feilbieten von Drogen, Partylärm und besoffene Jungerwachsene, Kreditkartenbetrug, schimmliger Kaffee, Kakerlaken unterm Bett, Plastik im Essen, Kreuzfahrttouristenansturm

Schon schön und auch erlebt vor Ort: Traumhaft weiße Strände und herrlich warmes türkisfarbenes Wasser (am besten sich einen Privatstrand gönnen, wenn man Ruhe haben will), Essen in Luxusrestaurants, Natur, Kaffee

Fotos: Anita Arneitz & Matthias Eichinger

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