Keine Soja-Soße über den Reis bei einer Japan Rundreise

Wer das erste Mal eine Japan Rundreise macht, hat viele Klischees im Kopf. Ein kleiner Knigge-Guide räumt damit auf und gibt Tipps für den individuellen Roadtrip durch Japan.

Was man über eine Japan Rundreise wissen sollte

Die besten Tipps für den Urlaub in Japan

Japan ist teuer. Ohne ein Wort Japanisch zu sprechen kommt man nicht weit. Und an selbst Autofahren ist gar nicht zu denken. Alles Quatsch. Ein Japan Road Trip kann genauso günstig sein. Leckeres Streetfood wie eine Nudelsuppe ist um zwei Euro zu haben. In Tokyo sind Stehrestaurants oder Ore no-Restaurants genannt, sehr beliebt. Darin kochen ehemalige Sterneköche zum moderaten Preis auf. Gegessen wird im Stehen, Hummer gibt es ab 25 Euro.

Ab 40 Euro kocht eine japanische Familie auf. Die Gastgeber zeigen die traditionelle Küche. Gemeinsam in ihrem Haus wird gespeist. Und damit sich niemand auf dem Weg ins Privathaus verirrt, wird der ausländische Besuch gleich vom Bahnhof abgeholt.

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Kagoshima: Beim Tonkotsu shabu shabu Essen

Einblick in die japanische Küche

Übrigens, die japanische Küche namens „washoku“ gehört mittlerweile zum Weltkulturerbe. Washoku ist eine Esskultur, die die Natur respektiert. Die Zutaten, die Zubereitung, die Präsentation und die Art zu essen sind einzigartig. Die Speisen sollen jeweils passend zur Jahreszeit die Sinne anregen. Deshalb gibt es im Sommer kühlenden Aal, im Herbst Matsutake-Pilze und im Frühling Bambussprossen. Meistens gleichen die Teller einem Kunstwerk. Im Fokus stehen frische, regionale Zutaten. Denn die Japaner sind der Ansicht, die beste Art zu kochen ist, so wenig wie möglich zu kochen.

Eingeladen bei japanischen Gastgebern

Bei Verabredungen mit Japanern sollte man am besten bereits einige Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt da sein. Die Taxis haben einen Zähler und öffnen mit einem Hebel die linke Tür. Allerdings sprechen die Taxifahrer nur selten Englisch. Daher die Hotel- oder Zieladresse auf einem Zettel in Japanisch aufschreiben lassen. Trinkgeld zu geben gilt als extrem unhöflich. Selbst im Taxi wird immer genau auf den Yen heraus gegeben.

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Regionaler Kuchen aus Miyajima

Geschenke spielen eine große Rolle

Egal, wo ein Japaner unterwegs ist, seiner Familie oder dem Gastgeber bringt er etwas mit. Sehr oft sind es regionale Süßigkeiten oder Maskottchen für die Kinder. Selbst im Geschäftsleben spielen Geschenke eine wichtige Rolle und haben Symbolcharakter. Dabei wird wert auf eine hübsche Verpackung gelegt. Schwarz und Weiß gelten als Farbe der Trauer. Rot hingegen ist das Symbol der Sonne und äußerst positiv besetzt. Bei der Geschenkauswahl darauf achten! Geöffnet werden die Geschenke nur, wenn der Schenkende dazu auf fordert. Überreicht werden die Geschenke gleich wie Visitenkarten immer mit beiden Händen. Das Materielle steht im Hintergrund, es um mehr um die nette Geste. Kitsch ist erlaubt. Die Japaner lieben alles, was außergewöhnlich oder für eine Gegend typisch ist. Österreicher können da mit Mannerschnitten und Mozartkugeln punkten.

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Ryokan in Hakone

Bei Tisch in Japan

Wenn Europäer ordentlich Soja-Soße über den Reis schütten und die Stäbchen senkrecht in die Schale Reis stecken, dann bekommen die Japaner meist Gänsehaut – vor Entsetzen. Es ist tabu mit dem Stäbchen auf andere zu zeigen oder das Essen mit dem Stäbchen, welches man schon benutzt hat, von der großen Platte in der Mitte des Tisches zu nehmen. Laut sprechen am Tisch gehört dazu. Und auch ein Bierchen nach Büroschluss. Beschwipst sein wird in der Geschäftswelt toleriert. Aufdringlich oder aggressiv werden die Japaner selbst im Rausch eher selten. Am Ende des Abends zahlt der Gastgeber in einem Restaurant nicht am Tisch, sondern erledigt das dezent an der Kassa.

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Schnellzug in Japan

Kommunikation klappt auch ohne Japanisch oder Englisch

Mit den öffentlichen Verkehrsmittel kommt man überall hin. Alle stehen geduldig in einer Reihe. Sogar die Einstiege bei den Zügen sind mit Zahlen und Buchstaben genau zugeordnet. So braucht niemand durch die Abteile zu laufen, um seinen Sitz zu suchen. Wenn der Schaffner das Abteil betritt oder verlässt, verneigt er sich vor seinen Passagieren.

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Japan Rail Pass – vor der Reise buchen!

Die Pässe für Zug und Bus sind billig. Aber Tickets oder Pässe müssen schon von zu Hause aus gekauft werden. Sparfüchse übernachten in der Jugendherberge, am Campingplatz oder in den traditionellen Ryokans. Die Infrastruktur ist so gut ausgebaut, dass die Orientierung auch ohne Japanisch-Kenntnisse klappt. Immerhin gibt es im Japanischen drei verschiedene Schriften – Kanji, Hiragana und Katakana. Da den Überblick zu bewahren ist so gut wie unmöglich. Im Notfall wird einfach mit Englisch-Häppchen oder den Händen kommuniziert. Selbst das Auto fahren ist dank Navi kein Problem.

Die Japaner sind irrsinnig hilfsbereit und zeigen einem gerne den Weg, selbst wenn man ihn kennt. Daher nicht wundern, wenn der Stadtplan aus der Tasche geholt wird. Spätestens nach dreißig Sekunden fragt der erste Japaner, ob er helfen kann. Auf unsichere Blicke vor dem Wolkenkratzer, reagieren die Japaner mit Winken und Lächeln. Schwups, ehe man sich versieht, steht man auf einem der schönsten Aussichtspunkte der Stadt, den nur die Einheimische kennen.

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Schaffner im japanischen Zug

Sauberkeitsfimmel der Japaner

Bei einer Japan Rundreise erleben Nippon-Neulinge viele Überraschungen, aber keine Negativen. Anders als bei den Chinesen wird man in Japan keine spuckende Wunder erleben, Kaugummi auf der Straße kleben sehen oder über Müll steigen. Nirgends sind Abfalleimer zu sehen und trotzdem liegt kein einziges Papiertütchen herum. Faszinierend. Gleiches gilt für Ausflüge in die Natur oder Picknicks im Park. Hier sind nur die Rehe hinterlistig und klauen die Süßigkeiten aus der Handtasche.

Schuhe ausziehen ist Pflicht bei einer Japan Rundreise

Japaner betreten ihr Eigenheim selten mit Straßenschuhen. In den traditionellen Unterkünften den Ryokans wird am Boden geschlafen. Das ist sogar super angenehm. Die Schuhe werden schon beim Hoteleingang ausgezogen. Also, niemals die Matte aus Reisstroh mit den Schuhen betreten! In Restaurants oder Hotels wird ein „oshibori“ gereicht. Das ist ein nasses Tuch für das Abwischen der Hände.

Japaner lieben die Kunst

Kunstliebhaber finden in Japan viele Schätze. In jeder Stadt gibt es eine Menge unterschiedlicher Museen. Sogar mitten in der Pampa sind Kunstwerke von Weltruhm ausgestellt. Einen guten Überblick über die Vielfalt der Kunstmuseen gibt Sophie Richard in ihrem Taschenbuch „The art lover´s guide to Japanese museum“. Darin stellt sie über 1200 Kunstmuseen in Japan vor. Allerdings ist das Buch nur in Englisch erhältlich. Macht nichts, bei der einer Japan Rundreise erweist es gute Dienste.

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Straßenbahn in Kagoshima

Kurioses aufgegabelt bei der Japan Rundreise

Japanische Frauen halten sich beim Lachen häufig die Hand vor dem Mund. Dieses Verhalten geht auf eine alte buddhistische Tradition zurück, bei der es verpönt war, die Knochen zu zeigen.

Den Mundschutz trägt der Großteil der Japaner nicht, um sich vor den Bakterien und Viren der anderen zu schützen. Es ist eher umgekehrt. Wer selbst krank ist, nimmt einen Mundschutz, um die anderen nicht anzustecken.

Die Zahl sieben ist eine Glückszahl, aber vier, neun und 13 bringen Unglück.

Die Japaner haben auch eine eigene Zeitrechnung. Noch heute beginnt diese ab der Regenschaft des jeweiligen Kaisers.

Religion und Traditionen werden hoch gehalten. Stark vertreten sind der Buddhismus und der Schintoismus. Moralisch ist das, was alle tun. Die Japaner sind es historisch gewohnt mit dem Strom zu schwimmen.

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Atombombendom in Hiroshima

Japan strahlt – mit Schönheit

Und zum Schluss noch das letzte Klischee – ganz Japan ist nicht verstrahlt. In Tokio wird zum Beispiel weniger Radioaktivität gemessen als in Berlin oder New York. Wer sich für das Thema interessiert, sollte unbedingt einen Abstecher nach Hiroshima einplanen.

Du möchtest noch mehr über Japan wissen? Hier geht es zu weiteren Beiträgen:

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Japan: Hakone – Entspannen zwischen Vulkanen

Japan: Best of Kyoto

Im Süden Japans: Kagoshima

Japan: Tokio-Highlights

 

Fotos: Anita Arneitz & Matthias Eichinger

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