Die 6 schönsten Bräuche im Advent in Kärnten – wie früher bei Oma

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Rituale, Orakel, Räuchern: Die Bräuche im Advent in Kärnten sind vielseitig. Ein Einblick in die schönsten Traditionen aus dem Bauerleben.

Früher war der Advent in Kärnten für die Kinder am Bauernhof eine aufregende Zeit. Davon hat mir meine Oma immer wieder erzählt. Es durfte magisch und mystisch zu gehen. Ob beim Räuchern oder dem geheimnisvollen Blick in die Zukunft. Die 6 schönsten Bräuche im Advent aus dem Bauerleben habe ich hier für euch zusammengefasst.

Lostage im Dezember: Träumen von Geschenken und der Liebe

Vor allem die Mädchen fieberten bestimmten Lostagen wie dem Andreastag oder Thomastag lange entgegen. Denn dann konnten sie mit etwas Glück einen Blick in die Zukunft erhaschen, zum Beispiel beim Träumen. Dazu traten die Mädchen vor dem Schlafen gehen ihr Bettschamerl, das war eine kleine Fußbank, und beteten brav. Danach legten sie sich verkehrt ins Bett, also war der Kopf dort, wo normalerweise die Füße lagen. Die ungewohnte ungewohnte Schlafposition war ein Garant für Träume, die am nächsten Morgen als Orakel gedeutet wurden.

Das etwas andere Geschenk: Quatemberlaibe zum Verschenken

Einige Tage vor Weihnachten übernimmt die Bäuerin das Zepter in der Backstube und widmet sich den Quatemberlaiben. In den Rand dieser Brote drückt die Bäuerin mit dem Schlüssel des Getreidekastens einen Kranz und in die Mitte presst sie einen Ring mit einem Dreieck. Dieses Zeichen wird auch Auge Gottes genannt. Dieses besondere Brot bekamen die Mägde und Knechte am Weihnachtsabend geschenkt. Zudem gab es für die drei Weihnachtsmetten am Heiligen Abend, dem Christtag und den Dreikönigstag ein eigenes Mettenbrot, das in der Kirche gesegnet wurde.

Zu Weihnachten: Das Füttern der Elemente

Wind, Wasser, Feuer, Erde und Luft hatten großen Einfluss auf die Ernte. Um diese gut zu stimmen, wurden sie über die Weihnachtsfeiertage gefüttert. Dazu stellten die Kinder zum Beispiel am Abend eine Schüssel mit Milch oder Mus für den Wind auf den Zaun. War die Schale am nächsten Morgen leer, hat es dem Wind geschmeckt und er wird in den nächsten Monaten kein Unheil bringen. Der Erde wurden ebenfalls kleine Gaben aus dem Fenster geworfen. Doch am meisten freuten sich die Vögel und Katzen darüber.

Der Wink mit dem Zaunpfahl

Jeder Bauer, der etwas auf sich hielt, achtete darauf, dass spätestens zu Weihnachten die Zäune wieder ordentlich in Schuss waren. Vor allem, wenn eine heiratsfähige Tochter im Haus war. An bestimmten Lostagen bat sie jemanden eine Zahl zu nennen. Dann ging sie hinaus und zählt die Zaunstecken bis zu der genannten Zahl. War der Stecken stark und gut aussehend, so würde es auch ihr zukünftiger Ehemann sein. War der Stecken hingegen gebrechlich oder alt, war das ein schlechtes Omen für eine bevorstehende Hochzeit.

Bräuche im Advent: Bei Wind und Wetter zur Frühmesse

Früher brachen die Menschen in der Adventzeit bereits in der Dunkelheit mit Kerzen zur Frühmesse in die Kirche auf. Und noch heute kommt die Frühmesse in Kärnten ohne elektrisches Licht aus, um die Menschen auf die besinnliche Zeit einzustimmen. Bei der Rorate wird speziell Maria gedankt, die in der katholischen Kirche als Mutter des Herrn eine besondere Rolle inne hat. Nach dem gemeinsamen Beten wird mit den anderen Dorfbewohnern bei einer Agape gefrühstückt, um der Liebe und Barmherzigkeit Ehre zu erweisen.

Ritual: Glück und Gesundheit ins Haus bringen

Noch heute stehen die Kinder am 28. Dezember in aller Frühe auf, um durch das Dorf zu ziehen und die Bewohner zu schappen. Dabei sagen die Kinder alte Sprüche auf wie „Schipp schapp, lang leben, gsund bleiben und a guats neues Jahr“ und schlagen mit einem Zweig vom Christbaum auf den Po der Hausbewohner. Das soll Glück und Gesundheit bringen. Als Dank erhalten die Kinder ein paar Süßigkeiten und Münzen. Viel Zeit haben die Kinder aber nicht. Sie dürfen nur bis 12 Uhr mittags schappen gehen. Auch ich war als Kind jedes Jahr schappen. Eine schöne Erinnerung an früher.

Räuchern – muss einfach sein

In den Raunächten räuchern, ist einfach ein Muss und hatte durchaus Sinn. Schließlich reinigt das Räuchern nicht nur schlechte Energien, sondern desinfiziert auch die Räume. Deshalb wird in allen zwölf Raunächten geräuchert, manchmal auch am Thomastag. Familien in Kärnten benutzten dafür klassisch den Weihrauch – oder eine eigene Kräutermischung. In meiner „Kräuterlei“ stelle ich selbst Räuchermischungen aus rein natürlichen Zutaten von Wiese und Wald her. Beifuß und Fichtenharz kommen dabei zum Beispiel in die Räucherpfanne. Und dann wird durch Haus und rund um den Hof gepilgert und ordentlich mit Weihwasser gespritzt. Schließlich kann jeder ein gutes neues Jahr brauchen.

Buchtipp rund um Bräuche im Advent in Kärnten

Mehr über Bräuche im Advent und alte Traditionen verrate ich in meinem Buch „Weihnachtliches aus Kärnten“. Darin geht es um die Winter- und Weihnachtsbräuche in den Alpen, erschienen im Wartberg Verlag, ISBN 978-3-8313-2729-4, 12,90 Euro.

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Was tun zu Weihnachten in Kärnten?

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