15 Fragen, 15 Antworten von We go wild

Lesezeit: 6 Minuten

Bauch-Beine-Po-Trainung und leckeres Essen schließen einander nicht aus. Zumindest auf We go wild. Wie aus einem Experiment und Hobby ein Online-Magazin mit Redaktionsteam wurde, verrät die Kärntnerin Lydia Kulterer im Interview.

Interview mit Lydia von We go wild – dem Onlinemagazin für Fitness, Food und Lifestyle

Lesezeit ca. 20 min.

Lydia ist mit We go wild auf Erfolgskurs. Foto: We go wild.
Lydia ist mit We go wild auf Erfolgskurs. Foto: We go wild.

Wie bist du auf die Idee gekommen zu bloggen? Wann hat der Blog gestartet und wie hat er sich entwickelt? Schwerpunkt und Erfolge?

Lydia Kulterer: Gestartet hat WE GO WILD als Experiment. Mein Lebensgefährte und ich wollten uns zum Thema Suchmaschinenoptimierung schlau machen. Wir haben uns aus Interesse ein paar Fitnessbegriffe geschnappt und darüber zu schreiben begonnen. Am Anfang muss man natürlich Geduld haben. Da war der Blog noch ein Hobby. Nach einem Jahr hat sich das geändert. Die Arbeit hat Überhand genommen. Wir konnten das nicht mehr in der Freizeit stemmen. Also hab ich meinen Vollzeitjob gekündigt und bin ins kalte Wasser gesprungen. Ich hatte nichts zu verlieren und war neugierig, wie weit wir WE GO WILD bringen können. Seit Herbst 2016 arbeite ich Vollzeit an diesem Projekt. Wir haben nun auch unsere Themen breiter aufgestellt. Anfangs war es rein nur Fitness. Jetzt sind es Fitness, Ernährung und gesunder Lifestyle. So können wir eine breitere Zielgruppe ansprechen. Unsere Leserinnen stammen zu 85% aus Deutschland. WE GO WILD ist seit 2016 in der App- und Webentwicklungsagentur webpunks eingegliedert. Inzwischen bin ich also nicht mehr alleine. Ich habe tolle Verstärkung beim Schreiben und Fotografieren bekommen. Und natürlich bei der Technik.

Ich würde uns jetzt aber nicht mehr als Blog bezeichnen. Wir sehen uns als Online Magazin und sind auch dementsprechend aufgestellt.

Ich schreibe ja schon länger nicht mehr alleine daran. Wir tippen inzwischen zu viert an Beiträgen, haben ein kleines Fotostudio eingerichtet, vermarkten Werbeplätze in unseren Artikeln und vertreiben digitale Produkte.

Warum betreibst du den Blog? Wie viel Zeit investiert du darin?

Warum? Weil ich es liebe. Ich kann mir nicht mehr vorstellen etwas anderes zu machen. Die Aufgaben sind so umfangreich und unterschiedlich, dass es jeden Tag etwas Neues gibt. Wunderbar! Das Ganze geht mittlerweile schon über einen normalen Vollzeit-Job hinaus. Unter der Woche arbeite ich meistens im Büro – also im Coworking Space Leuchtturm. Am Wochenende auch immer wieder mal zuhause.

Was macht für dich einen richtig guten Blog aus?

Ein stimmiges Konzept und vor allem schöne Fotos. Im Großen und Ganzen muss einfach das Gesamtbild passen. Man muss sehen, dass sich das Team dahinter Mühe gibt und wirklich mit Leidenschaft daran ist.

Was ist dein Beruf?

Bevor ich mit WE GO WILD gestartet bin, war ich bei einem größeren Unternehmen im Marketing. Und anschließend bei einer Zeitung. Schreiben und fotografieren hat mir schon immer gefallen. Jetzt kann ich machen was ich möchte und bin Redaktionsleiterin unseres Online-Magazins.

Wie sieht ein typischer Tag im Leben einer Bloggerin aus?

Ganz anders als die meisten denken würden. Der typische Tag ist sehr lang und besteht aus unzähligen verschiedenen Aufgaben. Es stecken eine Menge Vorbereitung, Planung und Organisation in jedem einzelnen Tag. Ein gutes Beispiel sind Freitage – da ist bei uns immer Fotoshooting Zeit. Das heißt: Am Donnerstag wird jeder Schritt geplant, ich gehe einkaufen, plane das Setting und bereite das Fotostudio vor. Komplizierte Dinge habe ich am vorherigen Wochenende zuhause ausprobiert. Am Freitag wird dann von 8 bis 14 Uhr fotografiert. Danach beginnt das große Wegräumen. Und dann kommt die meiste Arbeit: Das Fotobearbeiten. Das mache ich zum Glück aber nicht alleine – da haben wir super Talente im Team.

So einen „typischen Tag“ wie sich das viele vorstellen bzw. wie es oft dargestellt wird – also mit chillen und nur ganz ein bisschen arbeiten – hatte ich noch nie. Vielleicht wird das noch. Aber ich glaube nicht.

Es wird eher immer mehr Arbeit als weniger. Wir haben ja noch ganz viele Ideen, die wir umsetzen möchten. Insofern sehe ich das auch nicht immer als „Arbeit“ – dazu macht mir das zu sehr Spaß.

Verdienst du mit deinem Blog auch Geld? Wenn ja, in welcher Form?

Ja, wir verdienen bereits Geld damit. Einerseits verkaufen wir Trainings- und Ernährungsguides als E-Books – der nächste ist übrigens schon in Planung. Und andererseits natürlich über Kooperationen mit Firmen. Das läuft ungefähr so ab: Man nimmt für ein bestimmtes Rezept das Mehl der Firma X, berichtet kurz darüber und bindet das Produkt auf den Fotos und im Text ein. Aber auch Banner und Affiliate Marketing zählen zu unseren Einnahmequellen.

Ist ein Blog attraktiv als Einnahmequelle?

Wenn man wirklich davon leben möchte, muss man sich meiner Meinung nach zu 100% darauf konzentrieren. Es kostet Unmengen an Zeit so etwas aufzubauen. Es ist ja nicht nur das Schreiben an sich zeitaufwändig. Es sind da ja auch noch die Bildbearbeitung, die Planung, Organisation, Social Media und die Technik (Webseite, Gestaltung, Updates). Finanziell kann ein Blog dann interessant sein, wenn er eine besondere Nische abdeckt. Irgendwas ganz Spezielles, worüber noch nicht viele schreiben, es aber genug Interesse geben würde.

Worüber schreibst du am liebsten?

Ich schreibe wirklich über alles. Am liebsten sind mir aber DIY Themen: Von Cremen bis hin zu Rezepten. Denn hier ist es immer besonders spannend, ob’s letztendlich so klappt, wie man es geplant hat. Und das tut es nicht immer.

Dein schrägstes Blogerlebnis?

Ein Kuchen. Wunderschön. In seiner vollen Pracht steht er auf dem Tisch. Einfach zum Reinbeißen. Aber zuerst muss er ja fotografiert werden. Also ist Geduld gefragt. Endlich ist das Warten vorbei. Die eine Stunde hat sich lange gezogen. Voller Vorfreude schnappe ich mir die Gabel, das Wasser rinnt schon im Mund zusammen und nehme ein Stück. Und spucke es wieder aus. Der Geschmack war wirklich alles andere als gut. Daraus hab ich gelernt: Vorher zumindest ein bisschen kosten.

Woher bekommst du neue Ideen für Postings und Beiträge?

Mir sind die Ideen noch nie ausgegangen. Ständig fällt mir und uns was Neues ein. Wir haben regelmäßig Redaktionssitzungen bei denen wir uns nur aufs Themenfinden fokussieren. Gemeinsam geht’s nämlich viel leichter.

Wie nutzt du andere Social Media Kanäle?

Wir sind auf Facebook, Instagram und Pinterest vertreten. Auf allen Kanälen aber noch nicht so lange. Wir haben uns am Anfang wirklich nur auf die eigene Webseite und Suchmaschinenoptimierung konzentriert. Erst seit ich das Vollzeit mache, haben wir begonnen Social Media Kanäle aufzubauen.

Welche Social Media Kanäle sind für dich bedeutsam?

Es ist schwer hier eine Reihung zu machen. Denn in jedem Social Media Kanal findet man andere Leserinnen. Einige sind nur auf Facebook. Andere nur auf Instagram.

Wie oft postest du da etwas?

Bei uns geht jeden Tag ein Beitrag online. Einmal wöchentlich erscheint der Newsletter. Bei Facebook und Pinterest geht jeden Tag ein Posting raus. Instagram jeden zweiten Tag.

Wie wichtig sind für dich Reichweite? Likes, Follower?

Am wichtigsten ist mir die Reichweite der Seite selbst. So toll Social Media Kanäle auch sind. Viele verschwinden auch schnell wieder. Es hilft mir dann wenig, wenn ich dort Tausende Follower habe. Deswegen ist und bleibt unser Fokus auf der Seite selbst.

Ein Instagram Posting verpufft beispielsweise nach ein paar Stunden wieder, während ein gut platzierter und für Suchmaschinen optimierter Artikel auf unserer Webseite langfristig und regelmäßig tausende Besucherinnen anlockt.

Welche Trends siehst du im Onlinebereich? Was wird aus deiner Sicht in Zukunft stärker ein Thema werden?

Blockchain Technologien, Video Marketing und Video Content, Entwicklung geht in Richtung mehr Mini-Redaktionen und Spezialisten für spezifische Themengebiete, Web Apps – wo wir auch mit We Go Wild bereits herumexperimentieren.

Deine fünf ultimativen Tipps für Jungunternehmer, die selbst mit einem Blog starten wollen?

Für Firmen:

1. Plant genügend Zeit ein und habt Geduld
Ein Blog schreibt sich nicht alleine. Ein Beitrag braucht vor allem als Anfänger viel Vorlaufzeit. Startet nicht zu euphorisch und erhofft euch gleich viele Leser. Es dauert bis man den Blog kennt. Bis dahin heißt’s: Geduld haben.

2. Schreibt regelmäßig
Als Unternehmen bietet sich z.B. ein Thema des Monats an. So kann man schon mindestens ein halbes Jahr im Vorhinein planen.

3. Holt euch Hilfe
Vor allem bei der Technik und beim Design. Hat man das alles erstmal eingerichtet, kann man gerne selbst schreiben. Vorausgesetzt man hat ein gewisses Talent zum Formulieren und für Fotos.

4. Es kann mehrere Schreiber geben, aber eine Person muss den Lead haben. Sie muss dafür verantwortlich sein, dass die Beiträge erscheinen, dass sie gepostet werden usw. Und dafür muss sie Zeit haben.

5. Macht eine Recherche
Ich würde nie einen Beitrag ohne Keyword Recherche schreiben. Man schaut wonach die Zielgruppe googelt. Und WIE sie googelt. Oder man hört seinen Kunden besonders gut zu: Welche Fragen treten immer wieder auf? Wo sind die Kunden unsicher? Und schon hat man seine Themen gefunden.

Deine fünf ultimativen Tipps, damit Social Media für Jungunternehmer gelingt?

Für mich ist es immer ein Mix aus Information und Unterhaltung. Zeigt den Kunden ruhig mal ein paar Fotos aus dem Büro. Menschlich und authentisch sein klappt am besten und kostet dabei nicht mal viel Geld.

15 Fragen, 15 Kärntner Blogger antworten – mehr über das große Interview-Special und viele weitere Tipps findest du hier.

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