Mit Hund zu den Tiebelquellen in Kärnten

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Wandern zu geheimen Plätzen in Kärnten: die Tiebelquellen gemeinsam mit dem Vierbeiner entdecken. Ein Gastbeitrag von Eva Kral.

Nala ist nunmehr zehn Jahre alt. Und noch immer ist ein Vergnügen, mit ihr durch die Wälder zu streifen oder neue Umgebungen zu scouten. In den vergangenen Jahren waren es noch die Toskana, Friaul oder im Mirnatal in Kroatien. In der „neuen Normalität“ in Zeiten von Corona ist es eine Chance, unentdeckte Geheimplätze in der näheren Umgebung aufzustöbern. Natürlich geht es dabei nicht darum, ob mir die Wanderung gefällt. Sondern ausschließlich darum, labradortaugliche Möglichkeiten zu finden. Das bedeutet: Wege ohne Autoverkehr, reichlich Schnüffelgelegenheiten und wenn möglich Wasser- oder sogar Bademöglichkeit.

Tiebelquellen
Erfrischend schöne Wanderung in Kärnten.

Wandern von Himmelberg zu den Tiebelquellen

Eine wunderschöne, sehr kurzweilige Wanderung ist die Rundwanderung Nr. 1 mit Ausgangspunkt von Himmelberg zu den Tiebelquellen. Ganz ehrlich, zu Beginn der Wanderung habe ich mir keine großen Erwartungen gesetzt. Quellen, ja sehr schön. Zumindest für Nala. Doch ich muss ganz ehrlich zugeben: Es ist eine bezaubernde Wanderung. Und wie sich in weiterer Folge auch herausstellt: auch eine kulinarisch wertvolle. Und zwar für mich – nicht für Nala.

Pause mit Nala
Pause mit Nala.

Mit glucksenden Geräuschen entspringt die Tiebel in mehreren Terrassen aus dem Berggestein. Schmale Wege schlängeln sich entlang der kleinen Bäche, an denen kleine Mühlen, ein Mühlstein als Sitzgelegenheit oder kleine Bänke zum Lauschen und Staunen einladen. Es ist still an diesen Quellen, fast mystisch.

Wandern Kärnten
Zwischendurch weisen ein paar Schilder den Weg.

Mit Hund auf Entdeckungsreise in Kärnten

Vom Weg Nr. 1 Gemeindeamt in Himmelberg (in der Nähe von Feldkirchen/Kärnten) startet die Rundwanderung zu den Tiebelquellen. In allen vorher studierten Wanderapps wird der ca. 3stündige Wanderweg als sehr gemütlich beschrieben. Und das ist er aus konditionstechnischer Sicht tatsächlich. Durch kleine Mischwäldchen wandert man vorbei an alten Gemäuern, die erahnen lassen, welche Bedeutung die Tiebelquellen bis in die Nachkriegszeit für die Region einst hatten.

Durch die ganzjährige konstant hohe Wasserausschüttung der Tiebelquellen (auch im Winter frieren die Quellen nicht zu!) entwickelte sich ein florierendes Pfannen- und Sensenschmiedewesen. Sägewerke, Haus- und Mautmühlen und sogar eine Pappenfabrik sorgten für eine Wirtschafts- und Siedlungsentwicklung des Tales. Man kommt an der 250jährigen Venezianer-Säge vorbei, die von heimischen Handwerkern liebevoll mit traditionellen Werkzeugen restauriert wurde.

Wandern in Kärnten
Vorbei am rauschenden Wasser beim Wandern in Kärnten.

Was es auf dem Weg zu den Tiebelquellen zu sehen gibt

Weiter geht es vorbei an der letzten sogenannten „Mehlteurermühle“, in der das gesamte Getreide für die Haus- und Hofwirtschaft gemahlen wurde: Der Roggen für das Brot, Weizen für Mehlspeisen, Mais für Sterz und Hafer für das Vieh, getrocknete Birnen für die Kletzennudeln. Die Mühle wurde 2002 in mühevoller Kleinarbeit abgetragen und 2004 beim volgo Sagschneider in Tiebel komplett funktionsfähig wieder aufgebaut. Sie wird für Schauzwecke (Vorreservierung möglich) in Gebrauch genommen.

Nach der Mehlteurermühle wandert man durch kleine Örtchen, in denen die ehemaligen Gewerke wie Schmieden oder Tischler zeigen, welche rege Wirtschaft der Fluss ermöglicht hat. Der Weg schlängelt sich weiter bis man direkt in das Quellgebiet mit seiner üppigen Vegetation einsteigt und sich wie in einem Märchenland fühlt. Quellen sind hochsensible Lebensräume und durch die ganzjährig konstanten Temperaturen wachsen die Pflanzen auch im Winter.

Tiebelquellen

Mitten im Quellengebiet

Es hat etwas Magisches, sich durch das Quellengebiet zu bewegen, das in sehr gut begehbaren Wegen angelegt ist. Die Zeit steht still – man hört nur das Glucksern des Baches, der von seiner Reise durch die enge Gurk erzählt und sich bereit auf seine Reise Richtung Feldkirchen und Bleistätter Moor macht, um dort in den Ossiacher See zu münden. Ein Paradies für Mensch und badefreudige Labradore. Damit ist es auch schon wieder vorbei mit dem glasklaren Wasser und dem Glucksen des Baches. Sobald ein Labrador das Wasser entdeckt hat, wird nicht andächtig gelauscht, sondern ausgiebig darin gepritschelt und Schlamm aufgewühlt, sodass sich das kristallklare Wasser in eine braune Suppe verwandelt, die dann gedemütigt weiterschwimmt.

Wenn man das Quellgebiet durchwandert hat, setzt man den Rundweg fort, der die Turracher Bundesstraße quert und über Kösting und Winklern wieder zurück durch das Waldgebiet zum Ausgangspunkt nach Himmelberg führt.

Von den Tiebelquellen zu den gebratenen Forellen

Wir haben uns entschieden, im Quellengebiet wieder umzudrehen, um beim Forellenhof Pluch einzukehren. Der Familienbetrieb ist in der Gegend schon seit Jahrzehnten für seine köstlichen, in Butterschmalz gebratenen eigenen Forellen bekannt. Dazu Bratkartoffeln und als Vorspeise eine selbstgemachte Kürbissuppe, serviert in klassischem Porzellan – wie bei Oma. Eigentlich wäre hier ein guter Ausgangs- und Zielpunkt der Wanderung, da hier ausreichend Parkplatz zur Verfügung steht und die Aussicht auf das herrliche Essen als krönender Abschluss der bezaubernden Wanderung für reichlich Motivation und Vorfreude sorgt.

Es ist natürlich klar, dass der Forellenhof hundefreundlich ist und die sehr nette Bedienung ohne Aufforderung sofort einen Wassernapf brachte. Das am Nachbartisch ein Wienerschnitzel (natürlich auch in Butterschmalz gebacken) serviert wurde, rettete meine ungestörte Ruhe beim Essen. Sie wissen schon – Nala: Jeder Bissen, den die Gäste zu sich nahmen wurde mit einer Kopfbewegung mitverfolgt. Vom Teller bis in den Mund. Gott sei Dank ist Nala diesmal nicht der Speichel aus den Lefzen getropft. Aber das ist eine andere Geschichte.

Tipp: Führungen nach Vereinbarungen Venezianer Säge, Mehlteurer Mühle, Quellenwanderung: +43 4278 549 (Frau Kröndl)

Wandern in Kärnten mit Hund
Wandern in Kärnten mit Hund

Text & Fotos: Eva Kral

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